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2. Berliner Fahrrad Schau 2011

Mittwoch, März 9th, 2011

Berlin, 5.-6.3.11

Ich hatte meinen ersten Auftrag als Journalistin. Fotos und einen Bericht erstellen, war die Aufgabe. Nun gut, ich dachte, das ist ja nicht schwer. Aber je näher die Messe rückte, umso mehr Gedanken machte ich mir, wie ich die Reportage aufbauen sollte. Sachlich, aus meiner Sicht, witzig mit einer Brise Humor? Nun, ich entschied mich, einen persönlichen Bericht zu verfassen, wie ich die vielen Eindrücke aufnahm und was ich bei den Exoten dachte.

Pünktlich fuhr ich von Rostock los und war um 10:59 Uhr im Kassenraum. Dort wurde ich von Menschen empfangen, die sich anstellten. Allerdings herrschte leichtes Chaos, denn Schlagen, die am Ende noch welche waren, vereinten sich mitten drinnen mit anderen Schlangen, dafür entstanden neue Schlangen. Das wiederum konnte verheerende Folgen haben, da ich dann plötzlich nicht mehr bei der Presse anstand, sondern bei den normalen Messebesuchern. Aber auch das brachte ich unfallfrei hinter mich. Hier wäre allerdings ratsam den Bereich anders zu organisieren. Leider bekam ich kein Presseschild, wie von Helmut versprochen, aber ein Band. Da das unter meinem Jackenärmel verschwand, wurde ich nicht sofort als Presse erkannt, und wenn ich meine vielen Fragen stellte, wurde ich dann doch des Öfteren merkwürdig angeschaut. (Foto 1 – 3)

Was mir gut gefiel war, dass es in allen Hallen einen freien WLAN Zugang gab. Auch gab es eine extra Homepage für die Mobile Generation, so dass alle Information im Handy mitliefen. Besonders der Hallenplan war sehr hilfreich.

Auffällig war das gemischte Publikum. Es gab viele Familien mit Kinder, Freaks, Sportler, Senioren, Junge und Alte. Es war alles dabei und es herrschte eine sehr angenehme Atmosphäre.

Gleich am Eingang (Foto 4 – 6) wurde ich rechts vom ADFC Berlin begrüßt. Ich hatte im Vorfeld der Messe schon intensiv beim ADFC gestöbert, da das wohl das Sprachrohr für uns Radler ist. Deshalb bin ich auch gleich beigetreten, um die Fahrradlobby zu stärken. Sehr interessant fand ich die Angebote. Ich habe keine Vergleichsinformation und berichte nur von Berlin. Es gibt Werkstätten, die benutzt werden können. An manchen Tagen sind Experten vor Ort. Ersatzteile können dort erworben werden. Dieses Angebot werde ich in Zukunft nutzen. Es gibt Werkstattkurse bei denen von Schläuche wechseln, Kette säubern und Bremsen einstellen im Basic Kurs alles enthalten ist. Im Fortgeschrittenkurs geht es dann an die Gangschaltung, Scheibenbremsen usw. Es gibt in Berlin kaum RTFs (verbessert mich, wenn meine Unkenntnis lediglich von fehlerhafter Recherche herrührt), dafür ca. 650 Touren, die vom ADFC veranstaltet werden. Eine Einteilung wird vorab vorgenommen, um die Gruppen so homogen wie möglich zu versammeln. Na ja, zudem sind diverse Versicherungen enthalten und eine Diebstahlsicherung kann günstiger erworben werden. Aber wenn ich bei jedem Stand so viel schreibe, wird dies ein Roman mit Überlänge.

Durch die Informationen vom letzten Jahr erfuhr ich, dass es hauptsächlich Exoten zu Bestauen gäbe. Aber das konnte ich gleich beim dritten Stand widerlegen. Der zweite Verkaufsstand war keiner, denn es handelte sich um Globetrotter, die einen Kinderbetreuungsbereich im hinteren Bereich anboten, damit Eltern ihre Kindern abgeben können, um in Ruhe einzukaufen. Dazu später mehr. Hier wurde nur auf diesen Service hingewiesen. Also zum dritten Stand und ja, sofort schlug mein Herz höher. Ein Berliner Laden (Foto 7-9) stellte aus, darunter diverse Hawk Mountainbikes und BMX Räder. Die Abteilung Bekleidung fiel demgegenüber etwas schmal aus und wurde lieblos angeboten. Aber meine Augen blieben an den schönen Rennern hängen. Gleich beim nächsten Stand (Foto 10-13) ging es weiter mit diesen wunderschönen MTBs und ich musste mir die drei Renner von Duratec anschauen. Ein Carbonrenner, ein Aluminiumrenner und ein Mountainbike. Auf der gegenüberliegenden Seite stand ein einziges Rad. Fast einsam. Aber das Elektrofahrrad hatte es in sich. Von wegen klobig und hässlich. Im Grunde genommen sieht der elektronische Antrieb aus, als hätte man eine schwarze Trinkflasche befestigt. Das Gewicht 12 kg. Nur 12 kg. Ich war begeistert. Der Haken für mich war aber, dass es nur einen Gang gab. Also da waren die alten Fahrräder von früher mit ihrer 3-Gang-Schaltung ja fortschrittlicher. Das ist schade. Erklärt wurde es mit dem Gewicht. Es ging wohl darum für das Marketing zu punkten und weniger für die Fahrer.

Zwischen diesen exklusiven und hochwertigen Mountainbikes und Rennrädern gab es immer wieder Elektroräder und Räder, die Lasten transportieren (Foto 14). Bei diesem Messebesuch ist mir bewusst geworden, dass ich kein Interesse für den elektrischen Antrieb besitze. Aber die Marketingideen fand ich witzig. Das Papabike von electra hatte keinerlei elektrischen Antrieb, aber es sah gut aus. Genau wie die Fahrräder von velotraum (Foto 15-16). Zum Lastentransport gehört natürlich Thule mit seinen Fahrrädanhängern (Foto 17+18) für das Auto. Ich bin kein Fan von dem Transport auf dem Dach, weil es so umständlich ist, ein Fahrrad auf das Dach zu heben und dann vielleicht noch in die Mitte des Autos zu schieben. Im Grunde genommen stand ich dann immer schon in einer Tür lehnte mich gegen alles und hoffte, keine Kratzer in den Lack zu bekommen. Deshalb fand ich es gut, dass man den Ständer einfach ausziehen kann. So steht man bequem vorm Auto und kann die Fahrräder laden. Ob das eine Neuheit ist, weiß ich nicht, aber interessant.

Wenn schon Elektroantrieb dann schon einen Roller (Foto 19) – zumindest käme das für mich in Frage. Was mir bei den Elektrorädern auffiel, war, dass der Motor kaum noch auffällt (Foto 21+22). Ich denke, die wenigsten erkennen die Motoren als solche und wundern sich dann, dass die Fahrer ohne zu schwitzen eine Geschwindigkeit von 60 km/h fahren. Bin gespannt, wie sich dieser Bereich weiter entwickelt. Ansonsten ließ ich die Elektroräder etwas links liegen und hoffte auf Daniel.

Als Nächstes folgten einige Bekleidungsfirmen (Foto 20). Mir fiel der Unterschied zwischen BMW und Mountainbikefahrern zu den Rennradfahrern auf. Die T-Shirts und Trikots sind nicht von denen der heutigen Jugend zu unterscheiden. Es geht darum witzig und originell zu sein, ob das dann auch alles funktionell ist, kann ich nicht sagen.

Bei manchen Rädern stand extra ein Zettel (Foto 23), dass diese gekauft werden können. Ich fragte mich da nur, ob die Klientel dieses explizit gesagt werden muss oder wer da angesprochen werden sollte.

Ein Trend dieser Messe war, dass es schick wird, wenn man Fahrrad fährt. Oft wird die Ausrede vorgeschoben, dass man nicht mit dem Rad zur Arbeit fahren könne, weil man immer Wechselbekleidung deponieren müsste. Aber wenn man sich die schicken Anzüge (Foto 24) ansieht und dazu passend dann das Fahrrad, dann werden diese Menschen besser gekleidet sein als so manch Krawattenmensch.

Mit Begeisterung schaute ich mir dann immer wieder die antiken Räder an (Foto 25). Herrlich. Keine Kette, sondern ein Gummi. Der Vorteil, diese Kette muss nicht geölt werden.

Als Nächstes kamen einige Anbieter mit Klapprädern (Foto 26-27). Wenn ich da zurückdenke, zu meiner Kindheit, und wie die Klappräder zu der Zeit aussahen und jetzt. Was für ein Unterschied! Die jetzigen haben Klasse.

Als Nächstes kamen Anbieter von Rennrädern (Foto 28-31), die aber durch Extras ins Auge fielen. Zum Beispiel von Merileth. Farblich aufeinander abgestimmt. Weiße Felgen, eine besondere Sattelstütze, weißer Lenker, weißer Sattel. Da passte die metallische Kette nicht ganz, aber da hätte ich ein Tipp von einem Stand weiter. Farbige Ketten! (Foto 32-34) Ich dachte sofort an mein rotes Oldie-Rennrad, wobei auch der Sattel, Lenkband in weiß gehalten ist. Da würde eine weiße Kette gut zu passen. Leider wurde mir gesagt, dass diese Ketten nicht an einer Gangschaltung betrieben werden sollten. Weil ein gewisser Abrieb nicht auszuschließen ist. Aber die farbigen Ketten sind mit Teflon überzogen. Dadurch entfällt das Fetten und Entfetten, weil Teflon (kennen wir alle von den Pfannen) selbstfettend sind. Deshalb wäre die Haltbarkeit länger als bei normalen Ketten. Hätte ich gerne getestet, wenn ich ein anderes Fahrrad hätte. So habe ich mit mein altes Rennrad vorgestellt und bin weiter gegangen.

Bei dieser Messe waren viele Rahmenbauer anwesend. Es gibt wohl doch einen größeren Markt, dass sich die Radler ihre eigenen Bike zusammenstellen.

Am Ende der Halle konnte ich bestaunen, wie ein Rahmen hergestellt wird. (Foto 38-40)Der Arbeiter sägte, feilte und passte an.

Bevor ich zum Catering ging, sah ich zwei verschiedene Möglichkeiten sich im Winter fit zu halten. Die Rolle (Foto 43+44) und der Fahrradhalter. Mir sagt ja die Rolle sehr zu, wenn dann würde ich mir so etwas zulegen. Das Gefühl, man fahre in Wirklichkeit ist höher, obwohl man auch da nicht vom Fleck kommt. Allerdings schwankte die Dame sehr auf der Rolle hin und her. Sie meinte zwar, dass sie dabei Fernsehen würde, aber als sie das sagte, fragte ich mich, was wohl passiert, wenn sie seitlich von der Rolle rutscht. Aber bevor ich mein Kopfkino nicht würde ausschalten können, ging ich zum Catering.

Das Angebot war reichlich und günstig. Für eine Messe sogar billig. Viele Plätze und bequeme dazu. Ich aß zum ersten Mal veganisch und ich ließ es mir mit einer Karotten-Ingwer Suppe schmecken. Hinter den Sitzplätzen hatte Globetrotter die Kinderecke aufgebaut. Es gab ein Parcours mit einer Wippe und anderen Hindernissen. Sehr wichtig fand ich die Aktion, dass sich die Kinder in einen Rollstuhl setzen konnten, um das auszuprobieren. Ich finde, dass es wichtig ist, dass die Hemmschwelle abgebaut wird. Kann mich noch gut an meine Kindheit erinnern, wo ich aber richtig großen Ärger bekam, weil ich mit einem Rollstuhl fahren wollte. Dass bei Veranstaltungen immer öfter die Möglichkeit geboten wird, sich mit einem Rollstuhl anzufreunden, begrüße ich sehr.

Bevor ich wieder zurückging, schaute ich in der Eventhalle rein. Dort fuhren ein paar BMX Fahrer ihre Tricks und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Einige Videos (Video 1 – 4) versuchte ich zu drehen, aber es war schwierig, weil viele Zuschauer meinten, sie müssten sich vor mich stellen. So blieb mir dann nur ein Platz, bei dem nicht alles überblickt werden konnte. Muss wohl noch lernen, meine Ellenbogen als Reporterin einzusetzen.

Hinter diesen Vorführungen lag die Teststrecke (Foto 51-53). Es war ein sehr großer Platz, es gab einen Sandparcours für die Mountainbikes und ein altes Auto für die BMX Fahrer. Für jeden war etwas dabei.

Ich spürte meine Füße und wollte den Rückweg also die zweite Hälfte der Halle ansehen.

Hier gab es diese kleinen Fahrräder (Foto 54) zu bestaunen, mit denen draußen in der Halle unvorstellbare Stunts durchgeführt wurden. Außerdem habe ich bei den Vorführungen endlich verstanden, warum es an der Vorder- und / oder Hinterradachse diese Stange befestigt ist. Bis dato kannte ich es nur, dass sich jemand hinten auf die Querstange stellte, aber dass sie sich damit an den Wänden der Halfpipe „aufhängen“ hätte ich nicht gedacht.

Es folgten Stände mit Casco Helmen (Foto 55) und Swiss Brillen (Foto 56), sowie weiteres Zubehör.

Wundert euch nicht über die Bilder (Foto 57-62), ab er ich musste alle Komponenten Serien von Campagnolo fotografieren. Vielleicht interessiert es den einen oder anderen, denn es gibt optische Unterschiede bei allen Serien. Das ist mir so noch nie aufgefallen. Aber man wird alt wie ne Kuh und lernt immer noch dazu. Insofern …

Es folgten Liegeräder (Foto 63). Ich setzte mich drauf, aber konnte mir nicht vorstellen damit eine längere Tour zu fahren. Das Angebot mit der Probefahrt lehnte ich dieses Mal ab. Beim nächsten Mal gibt es kein halten mehr.

Die zusammengeklappten Räder (Foto 64-66) sehen für mich immer so aus, als bräuchte man einen Doktor, um die wieder auseinander zu bauen. Aber es war leicht und einfach.

Für die Anhänger (Foto 67-69)habe ich mich intensiver interessiert. Es wird zwar nicht Island oder die Wüste werden, was schon ausgetestet wurde, aber Europa ist immer noch ein Ziel von mir. Die Fahrt mit dem Anhänger ist leichter als gedacht, weil die Last zu zwei Drittel auf das Rad vom Anhänger geleitet wird. Damit spürt man beim Fahren die Last vorne nicht mehr so enorm, im Vergleich zu Fahrradtaschen.

Mein Rundgang war zu Ende. Ich genoss den Service in der Presselounge und ließ meine Eindrücke sacken.

Fazit: Der Besuch dieser Messe kann ich jedem wärmstens ans Herz legen. Es ist eine sehr angenehme Atmosphäre, es gibt Produkte zu bestauenen und Exotisches zu entdecken. Aber es gibt auch Rennräder, Mountainbikes und die notwendigen Komponenten. Einem Fahrradfahrer wird es an nichts fehlen.

Fotos sind bei facebook zu finden.