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Wie werden Hochbegabte erkannt?

Donnerstag, März 24th, 2011


_In den letzten Tagen las ich immer wieder diese oder ähnliche Fragen in den deutschen Tageszeitungen. Wie werden die Hochbegabten erkannt? Dazu gibt es dann Vorträge, Veranstaltungen und Workshops. Aber ist das nicht viel zu kurz gedacht? Oder ist das in der heutigen Zeit noch notwendig, weil die hochbegabten Menschen sonst durchs Rost fallen würden?

_Eine Mutter kommt mit ihrem Kind nicht zurecht und überlegt, ob es hochbegabt sein könnte. Aber muss denn erst ein Intelligenztest gemacht werden, damit sich die Eltern entsprechend um ihr Kind kümmern? Wieso verändert eine Zahl alles? Wieso beobachten sie ihr Kind nicht einfach und gucken, was es braucht und was es möchte? Wenn einem Kind langweilig ist, ist es doch immer noch dasselbe Kind, egal, welchen IQ es hat. Warum fordern die Eltern das Kind, wenn es hochbegabt ist? Fordern es aber nicht, wenn es eine Zahl kleiner 130 besitzen? Ist es richtig, dass die Eltern dieser Zahl so viel Bedeutung beimessen? Was passiert denn, wenn das Kind eigentlich hochbegabt ist, aber beim Test lustlos oder unkonzentriert war und es deshalb nicht zum Vorschein kam? Die Eltern würden dieses Kind nicht fordern, weil es angeblich nicht hochbegabt ist. Das ist eine verkehrte Welt! Die Eltern sind so nah an ihren Kindern dran, sie wissen genau, was mit ihren Kindern ist, was sie mögen, was nicht. Sie wissen, welche Hobbys sie haben. Wieso wird eine Forderung nicht in einer Interaktion mit dem Nachwuchs selber erarbeitet? Wieso brauchen Eltern eine „Erlaubnis“ in Form eines Testergebnisses? Es gibt so viele Formen von Hochbegabung und nur ein Teil wird mit dem Intelligenzquotienten abgebildet. Was ist mit den Kindern, die in anderen Teilen ihre Hochbegabung aufweisen? Würden diese keine Forderung mehr erhalten?

_Sowieso finde ich die Diskussion, wie man hochbegabte Kinder und Schüler am besten fordert, eine am falschen Ende. Wäre es nicht gerechter, wenn alle Kinder individuell gefördert werden? Jeder sollte entsprechend seiner Begabung gefordert, aber auch gefördert werden. Warum soll das einer kleinen Gruppe von 2% vorbehalten bleiben? Zumal bei dieser Forderung meist die unentdeckten Hochbegabten nicht berücksichtigt werden. Jedes Kind hat das Recht auf Herausforderungen, egal, ob zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule. Nur dieses Recht können sie zwar einklagen, aber nicht durchsetzen. Dafür sind die Bezugspersonen und Erziehungspersonen zuständig, die dieses Recht allzu oft vernachlässigen. Ich frage mich dann immer, ob die Eltern, die Lehrer, die Kindergärtner (und alles auch in weiblicher Form) nicht selber mal Kind und Schüler waren. Jeder Erwachsene musste durch seine Kindheit und hat entweder erfahren dürfen wie es sich anfühlt, wenn einem Herausforderungen gestellt werden oder er war in der traurigen Situation, dass er diese eben nicht erhielt. Aber in beiden Varianten müsste diese Person als Erwachsene alles daran setzen, um die Aussichten für den Nachwuchs zu verbessern. Aber leider scheint auf dem Weg vom Kind zum Erwachsenen eine Resettaste zu existieren. Anders ist es nicht zu erklären, dass Kinder und Schüler immer weniger in den Genuss von Herausforderungen kommen.

_Das Schulsystem wird trotz vieler Reformen und Änderungen nicht dahingehend geändert, dass Schüler gerne zur Schule gehen, dass sie sich auf die Herausforderung freuen und begeistert mitmachen. Das gilt für alle Schülerinnen und Schüler. Aus diesem Grunde kann ich doch verstehen, wenn sich Eltern engagieren, die die Voraussetzungen ändern wollen und sich für ihre Kinder einsetzen. Eigentlich müssten viel mehr Eltern auf die Barrikaden gehen und für eine Schulrevolution demonstrieren. Da sich diese Demonstration oftmals auf die Eltern hochbegabter Kinder beschränkt, ist es nicht verwunderlich, dass in der Öffentlichkeit öfters von der Förderung der Hochbegabten gesprochen wird und weniger vom Recht auf Forderung für alle.

_Es kann ein Anfang sein, es kann der Beginn sein, dass diese Forderung in absehbarer Zeit auf alle Schüler ausgeweitet wird. Ja, das kann sein. Aber eher sehe ich die Gefahr, dass mit den Fingern auf Hochbegabte gezeigt wird, weil man neidisch auf die Forderung ist, weil diese eigentlich jedem zusteht. Dieser Protest ist berechtigt, aber die Finger sollten nicht auf die Hochbegabten gezeigt werden, sondern auf die Urheber des Schulsystems und auf die eigenen Eltern. Würden sich alle Eltern für die Forderung ihrer Kinder einsetzen, nähmen die Hochbegabten keine Sonderstellung ein.

_Dazu passen Berichte über Schulen, die sich verstärkt um Hochbegabte kümmern. In dem Bericht wird nur über die Maßnahmen gesprochen, die die Hochbegabten betreffen und zurecht beschweren sich die anderen, die nicht in den Genuss dieser Maßnahmen kommen. Warum bekommen manche eine Extrawurst gebraten? Was können die Schüler dafür, die einen IQ kleiner 130 haben? Nichts! Sie haben dieselben Rechte.

_In der Hoffnung, dass sich in Zukunft die Eltern und Lehrer besinnen und nicht versuchen alles zu vereinheitlichen, sondern sich jedes Kind, jeden Schüler individuell anschauen und begegnen.

Manon Garcia. Autorin
Das aktuelle Buch: Sind Sie noch Katze oder schon Hund? Hochbegabung nach dem Testergebnis ist als Buch in allen Buchhandlungen (online, wie offline) und als eBook (derzeit nur über das Appleportal iBooks) erhältlich.

Karl-Theodor zu Guttenberg

Dienstag, März 1st, 2011


Seit Monaten schaue ich auf den Kult zu Guttenberg. Alle Anfeindungen, alle Angriffe, alle Verfehlungen konnte er mit einem Lächeln umschiffen. Egal, ob er in seinem Lebenslauf stark übertrieb, ob er Menschen schneller entließ, als alle gucken konnten, ob unter seiner Regie viele Ereignisse passierten wie der Tod einer Kadettin auf der Gorch Fock, er stand da wie eine Eins. Er strahlte und alle lagen ihm zu Füßen.

Ich frage mich, ob wir in Deutschland einfach wieder an der Zeit sind für eine Monarchie. Einen König, der uns zu winkt, der uns zu lächelt und alle sind wir glücklich und zufrieden. Den Eindruck macht es. Zumal, wenn man manche Aussagen zu diesem Thema hört. Von Anfang an klebte an ihm Schmutz, aber er schüttelte sich und ab war er. Wie kann es sein, dass ein studierter Mensch so ins Rampenlicht rücken konnte und die Menschen mochten ihn? Sie mochten ihn so sehr, dass sie keine Argumente gegen ihn hören wollten und immer und überall eine Verschwörung sahen. Er hat keinen Abschluss, hat sein 2. Staatsexamen nicht. Gut, das ist nicht so schlimm, wenn man einen Doktor hat. Da er das alleine nicht konnte, hat er einfach ein paar Leute engagiert, die das für ihn erledigten. Hat schon Vorteile, wenn man in der Politik arbeitet und sich diversen Materialien bedienen kann. Merkt ja (fast) keiner.

Aber schade finde ich es um unsere Gesellschaft. Wie schön wäre es gewesen, wenn wir alle Regelübertretungen beim Ertappen einfach zugeben und nichts würde geschehen? Ich wurde beim Klauen erwischt? Nicht schlimm, dann gebe ich das wieder zurück. Ich habe jemanden beleidigt? Dann entschuldige ich mich einfach. Ich habe betrogen? Ich entschuldige mich. Das Leben wäre so einfach gewesen. Man hätte alles machen können und wenn es auffällt, gibt man es zurück oder entschuldigt sich. Viele Menschen fanden, dass die Plagiatsaffaire durch die Entschuldigung wett gemacht worden wäre. Na dann. Vielleicht sehen das die Lehrer bei der nächsten Arbeit auch so, oder die Polizisten bei der Geschwindigkeitsüberschreitung, oder der Richter, die Mitarbeiter, die Chefs, die Ärzte …

Schade, wenn dieses Verhalten durchgegangen wäre, hätten wir endlich ein schönes Leben gehabt. Dazu lächeln wir dann immer in die Kamera und gut ist. Schade. Aber nun müssen wir uns wieder an die Regeln halten, müssen mit Strafen rechnen und vor allem müssen wir Konsequenzen ziehen. Das heißt, die Menschen werden weiterhin nach 40 Jahre Angestelltenverhältnis gekündigt, wenn sie sich trauten etwas aus dem Müll mit nach Hause zu nehmen. Auch hier hätte in Zukunft eine Entschuldigung genügt.

Auch hätten wir immer auf jemanden zeigen können, der noch mehr Dreck am Stecken hat. Denn das waren die Argumente vieler, die ihn mögen. Die anderen würden noch viel schlimmer sein. Na denn, wenn ich also beim Schummeln erwischt wäre, suche ich mir einfach jemanden, der das noch viel doller treibt. Oder beim Klauen, dann verweise ich auf all diejenigen, die noch viel mehr klauen als ich. Und nun? Nun muss ich die Konsequenzen tragen.

Ich bin dafür, dass wir unsere Gesellschaftsnormen, unsere Gesetze überdenken und die Monarchie wieder einführen.

Gleiche Anreize für Politik und Grundschüler

Freitag, Dezember 10th, 2010


Schon erstaunlich, wie simpel die deutsche Politik zu beeinflussen ist. Jahrzehntelange Kritik aus den eigenen Reihen über die schlechte Schulqualität haben nichts gebracht. Da musste schon ein kleiner Wettbewerb her, um für ein Umdenken zu sorgen. Wie in der Grundschule, wenn der Tisch einen Punkt bekommt, an dem zu erst alle Schüler still sitzen und für den Unterricht fertig sind. Es hatte vorher auch nciht geholfen, wenn die Lehrerin um Ruhe und schnelles hinsetzen bat. Nein, da mussten kleine Punkte herhalten, die in einem Wettbewerb vergeben wurden. Ist das jetzt ein Vor- oder Nachteil, dass die Politik wie die Grundschüler funktionieren? Immerhin hat die PISA Studie nur deshalb für Aufsehen gesorgt, weil Deutschland noch nicht mal im Mittelfeld lag. Vielleicht hätte man das ganze weniger beachtet, wäre Deutschland um die Mitte herum gelegen. Dann hätte man die Studie belächelt, weil ja alles bestens ist, und sich „wichtigerem“ zugewandt. Aber – Gott sei Dank – lag Deutschland weit abgeschlagen. Die Panik war groß und endlich wurde agiert. Aber es war lediglich eine Reaktion und keine eigene Aktion, deshalb waren die ersten Ansätze auch keine Reform, sondern lediglich eine Veränderung. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber wer will es denn den Politikern verübeln? Sind doch gefühlte 35% der Politiker Lehrer. Wer erwartet denn ernsthaft, dass sich die Lehrer ihre eigene Arbeit schwerer machen? Als Lehrer hatte man doch vor der PISA Zeit ein schönes Leben. Schüler, die widersprachen wurden mündlich und wenn es ging auch schriftlich abgemahnt, so dass die Noten ein Verbleib in der Klasse oder der Schule leider verhinderten. Lehrer haben mit der Notengebung eine Macht, die sie schamlos ausnutzten. So wurden alle Schüler still gehalten, wer aufmuckte, tat dieses nicht lange (siehe Notengebung). Die Schulunterlagen wurden einmal nach dem Studium angelegt, manchmal sogar von einem scheidenden Lehrerkollegen übernommen und jedes Jahr wieder verwendet. Dass Inhalte nicht mehr passten, war eine Randnotiz, denn wer wollte dagegen etwas sagen? (siehe Notengebung) Eltern, die sich kritisch zum Unterricht oder Pädagogik äußerten, wurde vor Augen geführt, wie eine Gruppe funktionierte. Es wurde eine negative Äußerung über den Nachwuchs fallen gelassen. Das führte dazu, dass sich der äußernde Elternteil von den anderen Eltern isoliert wurde und sich somit einer dicken Front gegenüber sah. Und Lehrer hatten genügend Zeit sich Gedanken um einzelne Elternteile zu machen, gab es damals den Nachmittagsunterricht noch nicht und durch die Stillarbeit und Frontalunterricht war ofmals sogar während des Unterrichts genügend Zeit. Diese schöne Zeit gibt keiner freiwillig auf, außer die, die wirklich etwas bewegen wollen. Aber wollen Lehrer das?

Es hat gedauert bis sich etwas tat. Und dann waren das so gravierende Einschnitte wie die Umbenennung der Schulzweige oder die Zusammenlegung von der Haupt- und der Realschule. Zumindest waren es Veränderungen, um nach außen den Schein zu wahren, dass etwas passiert. Aber außer, dass Chaos angerichtet wurde, passierte anfangs nicht wirklich viel. Als aber die zweite PISA Studie keine Verbesserung erkennen ließen und sogar etwas schlimmes hinzu kam, nämlich die Ungerechtigkeit gegenüber Migranten, musste etwas geschehen. Schnell wurde das achtjährige Abitur eingeführt und eine weitere Diskussion geführt, wie viel gliedrig das System Schule denn nun sein sollte. Aber die Schmach war groß. Es wurde in allen Medien behandelt und sickerte natürlich auch ins Ausland. Deutschland hat eine Zweiklassen-Gesellschaft, Migranten hätten keine gleichen Chancen und vor allem, Deutschland hängt immer noch weit hinten im Testergebnis. Das kratzte dann doch am Ego der Regierung und es musste sich etwas ändern. Es konnte doch nicht sein, dass Deutschland als Land der Dichter und Denker auf der Welt mit ihren Schülern weit abgeschlagen ist. Ein leichtes Umdenken fand statt. Junge und engagierte Lehrer wurden nicht mehr schon nach drei Jahren desillusioniert, sondern es dauerte nun ganze fünf Jahre. Es wurden ständig neue Test entwickelt und durchgeführt. Die Prüfungen wurden verändert und vor allem vereinheitlicht, aber der Unterricht und die Lehrer blieben wie sie waren. Diese ganzen Diskussionen über Schulsystem, Anzahl der Glieder, Einführungen von Test und Vergleichsarbeiten, zusätzliche Stunden, zusätzliche Arbeit der Schüler, zusätzliche Einsatzzeiten der Eltern führten dazu, dass wahre Reformen, die entwickelt wurden, einheitlich abgelehnt wurden, weil schon zu viel geändert wurde und die Eltern, wie die Schüler keine weiteren Änderungen mehr wollten. Denn die Veränderungen in der Schule führten zu mehr Stress, mehr Druck, mehr Arbeit, aber keineswegs zu besseren Unterricht oder besser Marktchancen nach der Schule. Also warum weiter ändern? Jetzt hatte sich die Politik mit ihrem anfänglichen Aktionismus das Leben selber schwer gemacht.

Aber das Ansehen von Deutschland war noch nicht wieder hergestellt, zudem ist der Schrei nach Fachkräften aus der Wirtschaft immer deutlicher zu hören, es musste also reagiert werden. Es wurden reförmchen angestoßen und die zeigen bei der aktuellen PISA Studie auch wirklich Wirkung. Deutschland ist nicht mehr weit abgehängt am Ende zu finden, sondern nähert sich offenbar dem Mittel an und ist ab und an sogar über dem Strich zu sehen. also, es tut sich was. Was wäre die Politik ohne diesen Wettkampf? Denn trotz Wettkampf ist Deutschland schwerfällig und reformunwillig.

Man darf nicht vergessen, dass Deutschland keine Bodenschätze hat und von seiner Arbeitskraft lebt oder besser lebte. Patente werden immer weniger von Deutschen eingereicht, auch machen uns andere Ländern in Hinblick auf Forschung etwas vor. Deutschland versucht krampfhaft den Anschluss wieder herzustellen, möchte aber die gewachsenen Strukturen nicht aufgeben. Schade, dass der Blick zu selten auf das große Ganze geht. Was könnte Deutschland erreichen, wenn die Schulausbildung auf einem Top-Niveau wäre. Wenn Deutschland keine Fachkräfte aus dem Ausland „einkaufen“ muss, sondern deutsche Fachkräfte wieder mehr für das Ausland interessant werden. Aber nicht nur ein paar Köpfe, denn das zeigte die PISA Studie auch, dass die Schere weit auseinander war. nein, in Deutschland musste es möglich werden, dass alle Schulabgänger ein Niveau erreichen, welches von anderen beneidet wird. Aber das wird nicht erreicht, wenn wichtigen Reformen weiter im Wege gestanden wird.  Es tut sich was in Deutschland, aber es ist langsam und träge.

Danke: Wendland, S21 und wikileaks

Donnerstag, Dezember 9th, 2010


Es tut sich was in unserem Lande. Endlich. Wir kommen aus einer Zeit, in der der Klerus entschied und das Volk zu tun hatte. Dann kam eine Zeit, in der die Politik immer öfter Demokratie hieß. Das ist auch gut so. Aber diese Demokratie hat sich immer mehr gewandelt. Ohne Korruption, Bestechung, Erpressung, Sich-gegenseitig-die-Hände waschen geht es nicht mehr. Es geht nicht mehr um Inhalte, sondern um Machtausübung. Es geht um die eigenen Interessen und wie man am besten davon kommt. Das Volk, also wir, werden seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) immer kleiner und unbedeutender. Die Stimme Volk wird unterdrückt. Das letzte Mal, dass sie sich erhob und das erfolgreich, war in Leipzig vorm Mauerfall. Da hat die Bevölkerung den Oberen die Grenzen aufgezeigt. Aber das liegt erstens schon wieder über zwanzig Jahre zurück und zweitens wurde dieser Aufstand im Osten Deutschlands initiiert. Wann so etwas im restlichen Teil Deutschlands mal vor kam, liegt so lange zurück, dass ich gerade nichts parat habe. Warum sollte man sich auch erheben. Es ging doch allen gut und denen, den es nicht gut ging, hat man die Stimme gestohlen. Also war wieder alles gut. So langsam wächst aber ein gesunder Widerstand, das Gehirn wird wieder zum kritischen Denken angeschmissen.

Angefangen haben ein paar Wendländer, die gezeigt haben, wie Widerstand auch sein kann – friedlich. Aber es wurde der Politik, den Entscheidern deutlich gezeigt, was die Meinung des Volkes ist. Es wird nicht mehr nur alles einfach hingenommen. Die Politiker werden nicht mehr vergöttert. Sondern als Menschen angesehen, die auch Fehler machen und vor allem, oft in ihre eigene Tasche denken. Nicht jedes Argument ist wirklich ein Argument. Nicht jede Studie ist wirklich eine Studie. Nicht jede Begründung ist wirklich eine Begründung. Aber so wurde es uns – dem Volk – erklärt. Würden wir den Politikern nicht glauben, würde es uns schlechter gehen. Nur den Politikern ist es zu verdanken, dass es uns so gut geht. Aus dieser Position heraus, folgt man gerne, wenn auch nicht freiwillig. Keiner wollte Schuld sein, dass es dem Nachbar schlechter geht. Also hielt man die Klappe. Das ist nun vorbei, wobei durch das Internet und Web 2.0 auch endlich die Stimme des Volkes wieder hörbar wird. Wen interessiert es bei der Reizüberflutung denn überhaupt noch, wenn einer auf der Straße steht und sagt, wie schlecht es ihm geht? Frauen werden in Fußgängerzonen am Tage vergewaltigt und die Menschen, die dort entlang gingen, können noch nicht mal sagen, wie der Übeltäter aussah! Das sich nicht jeder traut einzugreifen ist verständlich, aber das Gesicht merken, wäre drinnen.

Es gab eine Vielzahl von Mitteilungen, politischen Äußerungen / Begründungen / Regelungen, dass es kein Platz mehr gab für andere Stimmen. Wenn sich ein Demonstrant im Wendland beschwerte, dass er zu grob angefasst wurde, standen Politiker vor der Kamera und behaupteten Dinge wie „maßvoll“, „nicht anders möglich“. Die Medien schrieben nichts anderes, also glaubte jeder dem netten Politiker, der immer so nett in die Kamera schaut. Web 2.0, Handys mit Kamerafunktion, Internet usw. haben dafür gesorgt, dass „Beweise“ für das Volk gesammelt werden konnten. Die Einsätze der Polizei und der Politik konnten aus Sicht des Volkes dokumentiert werden. Und es kam, wie es kommen musste. Wie üblich trat ein Politiker vor die Kamera und  äußerte sich zu den drastischen Polizeieinsätzen, die unabdingbar waren, weil es eine drohende Gewallt seitens der Demonstranten gab. Wer genau hinhörte, hörte dieselben Stimmen, wie zum Beispiel im Wendland. Es wurde behauptet, es wurde mit Steinen geworfen, Pfefferspray soll von den Demonstranten angewandt worden sein. Leider wurde durch Aufnahmen des Volkes bewiesen, dass keine Steine flogen und dass der Pfeffersprayer ein eingeschleuster Polizeibeamter war. Peinlich, peinlich, peinlich. Denkt man, aber Politiker wären nicht Politiker, hätten sie nicht genügend Sätze, die nichts sagen und alles entschärfen. Bis dato hat sich das Volk dadurch beruhigen lassen. Was hätte man auch tun sollen, es gab ja keine Möglichkeit dagegen an zu gehen oder das Gegenteil zu beweisen. Das ist nun geschehen und die Basta-Politik ist vorbei, sagt Heiner Geissler. Aber ob ihm da seine werten Kollegen überhaupt zugehört haben? Immerhin haben seine Politikkollegen hart dafür gearbeitet, dass die Stimme des Volkes beschnitten und somit unhörbar wurde.

Es passt hinein, dass Informationen durch wikileaks nun große Wellen schlagen und dieses erst durch das Internet möglich wurden. Es scheint, als wären die Vorteile der Politik gegenüber dem Volk durch das Internet minimiert. Es scheint, als wäre die Stimme des Volkes lauter geworden. Da die Demokratie in Wirklichkeit keine Demokratie ist, zeigt sich an den Maßnahmen, die ergriffen werden, um das Volk wieder verstummen zu lassen. In Stuttgart wurden Mittel eingesetzt, die unverhältnismäßig waren und ich hoffe, es kommt noch ein Nachspiel und bei wikileaks sieht man deutlich, dass es ein paar Menschen gibt, die alles diktieren. Ich spreche nicht von einer Diktatur, das wäre zu heftig, aber es wird diktiert. Es gibt eine freie Meinungsäußerung, zumindest in einem demokratisch geführtem Land, aber das scheint bei bestimmten Meinungen außer kraft gesetzt zu werden. Wikileaks darf nicht alles sagen. Es werden Banken von den Regierungen angehalten  keine Geschäftsbeziehungen mehr mit wikileaks zu führen. Wo kommen wir denn dahin? Sind wir doch auf dem Wege zu einer Diktatur?

Wie sonst kann auf Mißstände aufmerksam gemacht werden, wenn nicht durch Veröffentlichung? Die Menschen, die sich jetzt aufregen und sagen, aber das hätte man anders regeln können, sollen mir sagen wie. Keine Zeitung hätte auch nur annähernd diese Informationen veröffentlicht – aus Angst vor Eingriffen durch die Politik. Dass diese Angst berechtigt ist, sieht man an den Reaktionen gegenüber wikileaks.

Den paar wenigen Menschen, die an der Macht sind, merken wie ihre Felle davon schwimmen. Ihre Macht wird beschnitten – durch das Volk, trotzdem wehren sie sich dagegen. Ich hoffe, dass die Entwicklung wieder in eine andere Richtung geht, dass das Volk wieder ein bisschen mehr gehör findet. Aber sollten es die Politiker vergessen, wird sie das Internet dran erinnern.

Macht-Worte

Mittwoch, Dezember 1st, 2010


Stuttgart 21. Die Welt ist wieder in Ordnung. Jemand hat mit der Faust auf den Tisch gehauen und „Basta“ gerufen. Menschen dachten, sie hätten Rechte und wären frei und verhielten sich entsprechend. Aber so funktioniert das System nicht. Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit. Wie oft wurde „Basta“ gesagt, wenn Sie zu oft „Warum“ fragten? Half das nicht, dann der Stubenarrest oder die schallende Ohrfeige. Es wurden Zeichen gesetzt und Grenzen aufgezeigt. Oder nehmen wir die Kindergartenzeit. Ein Mittagsschlaf wurde angeordnet und die Einhaltung mit allen Mitteln befolgt. Widerstand wurde mit Sanktionen gebrochen. Und weiter zur Schule. Wer den Lehrer, seinen Unterricht oder das Schulsystem kritisierte, wurde mit einer entsprechenden Notengebung ruhiggestellt. Bei der Arbeit kann sich ein Mitarbeiter seinem Chef auch nicht in den Weg stellen, weil der zum Beispiel den Umweltschutz missachtet oder die angeordneten Überstunden nicht bezahlt. Das hätte zur Folge, dass man diese vom Arbeitsamt erhält. Die Grenzen und Regeln werden vorgegeben. Wer sich fügt, fährt am besten. Das lernen wir in Deutschland von Kindesbeinen an. Umso erstaunlicher das Verhalten einiger weniger in Stuttgart. Das System wurde in Frage gestellt und deshalb musste durchgegriffen werden. Wo kommen wir hin, wenn Menschen auf die Straße gehen und demonstrieren? Zumal sich Teile der Bevölkerung dieses erlaubten, die ins Altersheim oder in die Schule gehören. Die Reaktion war notwendig, um das System zu erhalten. Die Politik verdeutlichte, was legitim ist und manifestierte die Grenzen. Jugendliche haben kein Recht zu demonstrieren, Eltern mit ihren Kindern sollten dies auch nicht tun, und da die Rentner zu rüstig schienen, hat man sie kurzerhand etwas seniler gemacht. Wer regt sich auf, wenn ein Rentner sein Augenlicht verliert? Schüler, die sich widersetzten, hatten verweichlichte Erziehungsberechtigte oder schlechte Lehrer, deshalb mussten sie mit dem gebündelten Wasserstrahl von den Bäumen geschossen werden. Dieser Vorgang war wichtig, verdeutlicht er, wie eine Strafe auszusehen hat. Mit der zunehmenden Jugendkriminalität im Rücken musste durchgegriffen werden. Vorbildlich wurde gezeigt, dass keiner nichts zu sagen hat.

Es herrscht wieder Zucht und Ordnung. Wenn die Politik etwas beschließt, wird es umgesetzt. Basta. Wenn dafür viel Geld notwendig ist, was nicht vorhanden ist, wird es trotzdem ausgegeben. Basta. Wenn jahrzehntealte Bäume gefällt werden, obwohl damit in einer Feinstaubschleuse der Filter fehlt, werden sie natürlich gefällt. Basta. Wenn ein Projekt einigen wenigen hohes Ansehen verleiht, wird alles dafür unternommen. Basta. Wenn sich Banken mit dem Geld der Bevölkerung verspekulieren und der Steuerzahler zahlen muss, ist es halt so. Basta. Dieses Kapital wird anschließend beim Steuerpflichtigen eingespart. Basta. Also warum diese Aufregung? Was wollten diese Menschen zu dieser Zeit in diesem Park? Ich nehme an, dass in Stuttgart und Umgebung die Erziehung nicht funktionierte, sonst wären die Personen ihren Tätigkeiten nachgegangen und diese Demonstration hätte nicht stattgefunden. Die verpasste Prügel der letzten Jahre wurde an einem Nachmittag nachgeholt. Das ist Gerechtigkeit.

In Stuttgart gab es nichts Neues. Seit der Geburt werden wir auf diese Erziehung und diesen Führungsstil vorbereitet, damit wir uns dem System anpassen. Diese Machtausübung, diese Machtworte waren notwendig und es wurde Zeit, es allen noch mal ins Gedächtnis zu rufen. Oder?

Zu dieser Komödie passt der Schlichterspruch von gestern. Das Konzept wird überarbeitet, es wird überprüft … das höre ich schon seit dem das Projekt das erste Mal vorgestellt wurde. Es ist wie immer, die Gegner werden mundtot gemacht. Was soll oder kann man auch noch gegen das Konzept sagen? Es wird alles überprüft. Nur das damit die ganze Zeit alle Gegner hingehalten wurden, das hat keiner gesagt. Wenn dann still und heimlich wieder alles überprüft, für gut befunden und ausgeführt wird, wundern sie sich, dass die Gegner wieder aus ihren Löchern kommen. Den Gegnern wird dann wieder vorgeworfen, sie hätten sich doch die ganze Zeit melden können, aber jetzt … kommen sie aus den Löchern gekrochen. Es ist wie immer und es bleibt wie immer. Wetten, die CDU bekommt bei der Landtagswahl im März 2011 genauso viele Stimmen, wie immer? Hat bis jetzt ja auch wunderbar funktioniert.

Ist Nachhilfe ein Splin, notwendig oder falscher Ehrgeiz?

Donnerstag, November 25th, 2010


In einem Artikel der Sonntagszeitung.ch steht, dass immer mehr Schüler eine zusätzlicher Förderung in Anspruch nehmen. Unter zusätzlicher Förderungen sind auch „Schwächen“ wie Lese- und Rechenschwäche, Sprachstörungen, aber auch spezieller Unterricht für die einzelnen Fächer. Manchmal wird auch eine Hochbegabtenförderung zu diesen zusätzlichen Maßnahmen hinzu gezählt. Das ist ein Trend, der sich nicht nur in der Schweiz heraus kristallisiert, sondern auch in Deutschland immer deutliche Formen annimmt.

Die Zeitschrift vermutet hinter diesen Fördermaßnahmen ehrgeizige Eltern, die nicht einsehen wollen, dass ihre Kinder nicht so gut und leistungsstark wären.

Das allerdings bezweifle ich. Ich spreche von meinen persönlichen Erfahrungen, die ich mit meinem Lerninstitut Ich rechne in Hamburg erfuhr. Meine Spezialisierung lag auf dem Fach Mathematik, was bei vielen Schülern bekanntermaßen ein Angstfach ist. Hunderten Schülern (weiblich wie männlich) kamen zu mir, weil sie drohten das Schuljahr nicht zu schaffen. Es drohte entweder die Wiederholung der Klasse oder sogar der Wechsel auf eine niedrigere Schulform. Meist war nicht nur die Note im Fach Mathematik schlecht, sondern es waren mehrere Fächer. Die Eltern und oftmals auch die Schüler glaubten aber, die anderen Fächer alleine in den Griff zu bekommen. Diesen Schülern wird durch die Notengebung signalisiert, du bist nicht gut genug. Hier wären laut der SonntagsZeitung.ch die Eltern zu ehrgeizig, wenn nun eine Nachhilfe, also eine spezielle Förderung stattfinden würde. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass das nicht zutrifft.

Die Schüler, die bei mir wegen der Mathematiknote waren, wurden innerhalb kürzester Zeit besser. Das waren nicht selten zwei bis drei Noten, die sich die Schüler meist innerhalb eines Halbjahres verbesserten. Mit der besseren Note im Fach Mathematik, der abnehmenden Angst vor dem Fach und/oder Lehrer, stiegen das Selbstvertrauen und die Lust an der Schule. Ich konnte die Uhr danach stellen, dass nach spätestens einem weiteren halben Jahr die Schüler in allen Fächern besser wurden. Mit anderen Worten, die Schüler waren aus Sicht der Schule doch wieder in der Lage dem Unterricht zu folgen. Wie kann es sein, dass man einen Schüler so schnell den Spaß am Lernen wiedergeben kann, dass Schüler im Unterricht wieder folgen können, dass Schüler gute Noten schreiben. Ist es nicht Aufgabe der Schule, diese Leistung heraus zu kitzeln? Es handelt sich hier um Schüler, die von der Schule durchs Rost fallen würden, die den Klassenschnitt senken und dafür sorgen, dass die gesamte Klasse nicht so schnell und zügig arbeiten kann. Genau dieselben Schüler können ein Jahr danach folgen, gehören zum oberen Drittel der Schüler und haben Spaß am Unterricht?

Meine Meinung lautet: So lange die Schule nicht in der Lage ist, auf die Schüler so einzugehen, dass das Optimum heraus geholt werden kann, so lange sind außerschulische Förderungen unausweichlich. Leider ist diese Art der Förderung nicht kostenlos und es kann sich nicht jeder so eine Förderung leisten. Das führt dazu, dass Schüler, deren Eltern das Geld nicht haben oder nicht ausgeben wollen, durchs Raster fallen. In der Schule ist die Förderung grundsätzlich kostenlos, aber sie wird nicht durchgeführt. Es gibt keine Förderung und eine Forderung auch nicht.

Wann wird sich das Schulsystem endlich ändern? Wann wird endlich aufgehört über Anzahl der Glieder zu diskutieren und wann wird angefangen ein Unterricht zu konzipieren, der jeden Schüler als Individuum anspricht? Wie reich muss ein Land sein, um dieses brachliegende Potenzial nicht nutzen zu müssen.

Blog über das Schulsystem

Freitag, September 10th, 2010

Ich habe mich entschlossen, dass ich mein Buch, welches sich über das Schulsystem auslässt, hier in Teilen veröffentlichen werde. Das Schulsystem ist ein Thema, welches immer wichtiger wird und deshalb in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollte. Was liegt da näher, als dass ich mein Buch hier in Teilen veröffentliche und hier auf dieser Plattform darüber gesprochen werden kann.

Ebenso können Fragen gestellt oder Anregungen gegeben werden. Bei den Kommentaren werde ich regelmäßig reinschauen und mich äußern.

Ich freue mich auf heiße Diskussionen.

Das Buch ist bereits ein paar Jahre alt. Ich werde es nicht überarbeiten, sondern in der damaligen Form hier einstellen. Ich hoffe, auf euer Verständnis!