Boateng und das unkritische Wechseltheater


In Deutschland werden wechselwillige Spieler anscheinend nur an den Pranger gestellt, wenn sie innerhalb Deutschlands oder aus Deutschland raus wechseln wollen oder manchmal noch nicht mal das. Spieler, die nach Deutschland wechseln wollen wird dagegen eine Plattform geboten. Oder werden die Aussagen von Boateng irgendwo kritisch gesehen?

Ba provozierter Wechsel von Hoffenheim nach Stuttgart

Jedem Fußball Interessierten ist das Wechseltheater von Ba bekannt, obwohl er dieses Theaterstück gleich zweimal aufführte. Ba wollte als Gomez Ersatz nach Stuttgart wechseln, aber Hoffenheim ihn nicht ziehen lassen. Obwohl erst hieß es nein, dann „gegen eine bestimmte Ablöse“, die dann wohl für Stuttgart zu hoch war. Ba sich damit aber nicht zufrieden geben wollte. Na ja, alles schlimme Sachen und am Ende blieb er bei Hoffenheim, weil der den Medizincheck nicht bestand. Es gab Unsicherheiten, da noch ein Nagel im Fuß steckte. Nun gut, Ba musste bleiben und alle zeigten mit dem Finger auf ihn. Dass er da immer von Dingen sprach, wie „das wurde ihm mündlich zugesagt“ lasse ich unkommentiert stehen.

Ba provozierter Wechsel von Hoffenheim nach Newcastle United

Aber das Theater ging ein halbes Jahr später weiter, als Gustavo nach Bayern gehen durfte. Anscheinend wurde Gustava das erlaubt, was Ba verwehrt blieb. Das brachte diesen dann so auf die Palme, dass er einen erneuten Wechselversuch startete.

Aber auch dieses Mal ging es nicht reibungslos über die Bühne, wie auch, wenn ein Spieler sich nicht an schriftliche Verträge hält. Auch wenn ihm mündlich etwas zugesagt wurde, sollte jeder wissen, dass diese Zusage nur gilt, wenn sie schriftlich fixiert wird. (Wie wir bei anderen Wechselversuchen unten sehen werden.) Allerdings war das Ansehen von Ba in der Bundesliga durch die öffentliche Schelte dahin und auch für Hoffenheim kam nur noch ein Wechsel in Frage.

Warum der Mäzen Hopp bei der Ablöse von Gustavo erklärte, dass Hoffenheim ein Ausbildungsclub sei und man natürlich immer auch schauen müsste, dass genügend Einnahmen durch die Wechsel generiert werden, überrascht mich. Hätte Stuttgart für Ba nicht wenig bezahlt. Aber gut, dass waren dann wohl andere Bedingungen, die die Sicht bei dem einen Spielerwechsel so anders erscheinen ließen.

Der Wechsel klappte letztendlich, wie jeder weiß. Zwar gab es da erst Aussagen, dass es nicht klappen würde, weil der Verein die Ablöse nicht zahlen wolle (man erinnere sich an Stuttgart), aber obwohl es in den Medien bereits als gescheitert verkauft wurde, fand der Wechsel ein paar Tage später statt.

Was wurde anschließend nicht alles über die Söldner geschimpft. Im Grunde genommen verabredeten sich die Vereine in Zukunft gegen solche Spieler vorzugehen, dass man ihnen keine Plattform mehr gäbe, in dem solche Spieler nicht eingekauft werden. Das klang alles gut und vernünftig. Zumal es ja auch schon einige Wechsel gab, die solch eine Maßnahme erzwangen, wie nachfolgend aufgelistet.

Ruud van Nistelrooy provozierter Wechsel vom Hamburger SV zu Real Madrid

Sehr überraschend – zumindest für die HSV Fans – kam der Wechselwunsch von Ruud van Nistelrooy. Er war die letzte Hoffnung, dass es in der letzten Saison doch noch in die internationalen Plätze reicht. Und dann kommt er her und erzählt, dass er gerne beim HSV wäre, aber Real nun mal seine Liebe und es doch jeder einsehen würde.

Ruud wurde der Wechsel verweigert und er spielte weiter für den HSV. Allerdings spürte man seine Enttäuschung und er kam nicht wirklich wieder ins Spiel. Die letzten Spiele rackerte und ackerter er, aber es war nicht mehr der Ruud, den alle sehen wollten.

Auch hier halten sich die Gerüchte, dass Ruud bei Vertragsunterschrift zugesagt wurde, dass er bei einer Anfrage von Real Madrid oder Manchester United wechseln dürfe. Entsprechend konnte ich im Nachhinein auch seine Interviews verstehen. Auch sein angebliches Unter-Druck-setzen, dass er nicht spielt, wenn er nicht wechseln darf, nimmt dadurch andere Züge an.

Die Öffentlichkeit nahm nur wahr, dass ein Spieler trotz Vertrag wechseln wollte. Es wurde noch mehr über die Söldner und über die Mentalität geschimpft und sich an den wechselwilligen Spielern abgearbeitet. Das Ansehen von Ruud war danach auch stark, sehr stark angekratzt. Der Saubermann des Sports wurde zu einem normalen Menschen mutiert. Diese Wucht traf Ruud wahrscheinlich härter, als jedes Foul.

Daniel van Buyten provozierter Wechsel vom Hamburger SV zu Bayern

Leider muss ich bei den nächsten Theaterinszenierungen weiter beim HSV bleiben. Daniel van Buyten spielte eine grandiose Saison mit Boulahrouz zusammen in der Innenverteidigung. Er spielte es sogar so gut, dass er sich zu Aussagen hinreißen ließ, dass er der bessere Stürmer von allen beim HSV wäre. Sehr ungeschickt, aber war es ungeschickt oder Kalkül?

Van Buyten wurde durch den HSV groß und erspielte sich einen Namen. Es stand die Champions League an, was ihn aber nicht hinderte sich bei Bayern anbiedern zu müssen. In der Öffentlichkeit ließ er keine Zweifel daran, dass der Wechsel nach Bayern klappen würde. Als dieser dann doch drohte zu scheitern, weil der HSV nicht gewillt war seine Verteidigung zu opfern, wurde mit Nachdruck nachgeholfen. Weitere „ungeschickte“ Äußerungen in der Öffentlichkeit, interne Reibereien und Stänkereien, sorgten dafür, dass der HSV sich „gezwungen“ sah, diesen Spieler ziehen zu lassen.

Im Übrigen haben sich bei diesem provozierten Wechsel wohl nur die HSV Fans aufgeregt, denn sonst gab es kaum Resonanz in den Medien. Aber provozierter Wechsel ist halt nicht immer ein provozierter Wechsel.

Boulahrouz erzwang seinen Wechsel nach Chelsea durch eine angebliche Verletzung

Leider sah sich Boulahrouz nach dem Wechsel von van Buyten dazu gezwungen ebenfalls seinen Wechsel zu vollziehen. Es klappte ja, wenn man sich wie ein Schwein benimmt. Van Buyten sei Dank! Also fingierte er eine Verletzung, um sich in der CL nicht festzuspielen und setzte den Verein unter Druck. Alles nicht fein, alles nicht sauber. Und da lag es auch nicht an mündlichen Zusagen, da war die Gier der damaligen Innenverteidiger des HSV größer als alles andere.

Der einzige Trost für die HSV Fans ist wohl nur, dass diese Spieler danach nie mehr richtig im Mittelpunkt standen und ihr Stern seit dem Wechsel weg vom HSV nie mehr richtig glühte. Wer weiß, was mit beiden geworden wäre, wenn diese Innenverteidigung beim HSV weiter gespielt hätte. Aber hätte, wenn und aber hat noch keinem geholfen. Aber auch bei diesem Wechsel wurde nur kurz die Verwunderung geäußert und dann verschwand das Thema in der Versenkung.

Van der Vaart provozierter Wechsel nach Valencia und Real Madrid

Als nächster Kandidat – schlimm, es sind alles Spieler, die beim HSV spielten – muss van der Vaart gesehen werden. Er verhalf dem HSV wieder zu internationalem Ansehen, die Erfolge kehrten zurück und es wurde geträumt in Hamburg. Aber leider war auch einem van der Vaart der HSV nicht genug. Er wollte unbedingt in Spanien spielen, weil er seine Großeltern noch mal sehen wolle.

Nun gut, ich erledige so was mit einem Urlaub oder Besuchen, aber van der Vaart wollte gleich einen Wechsel. Als er diesen nicht genehmigt bekam, musste er sich etwas erlauben. Die Tricks von Boulahrouz und van Buyten wollte er nicht ziehen, wofür ich ihm sehr dankbar bin, aber die Aktion mit dem Valencia Trikot war nicht viel besser. Auch seine Aussagen erinnerten an die von van Buyten.

Der Wechsel fand dann ein Jahr danach statt und es ging nach Real Madrid. Abgesehen davon, dass Valencia kein Verein ist, zu dem man unbedingt wechseln müsse, wurde auch da wieder laut, dass ihm mündlich zugesagt wurde, dann bei bestimmten Vereinen einem Wechsel zugestimmt würde.

Dieses Theaterspiel fand in den Medien deutlich mehr Beachtung als noch die beiden vorherigen vom HSV, was sicherlich auch an der Ausstrahlung und Persönlichkeit von dem kleinen Engel lag.

Entschluss der Bundesliga Vereine gegen diese Söldner vorzugehen

Die Bundesliga, die Medien und die Fans waren sich einig, dass solch ein Verhalten von Spielern nicht mehr hingenommen werden kann. Es gäbe Rechte und Pflichten, von dem der Spieler sich nicht freimachen könne. Auch sind die Verträge für beide Seiten gültig.

Besonders als es hieß, man würde solche Spieler einfach nicht mehr einkaufen, wenn sie so ein Image haben, klang vernünftig. Allerdings war alles Schall und Rauch. Denn übrig geblieben ist nichts mehr. Denn was passiert denn gerade in diesem Sommer wieder.

Zambrano provozierter Wechsel von St. Pauli nach Hoffenheim

Ein Zambrano meint, dass er trotz gültigen Vertrag für die 2. Liga, sich nicht an diesen halten müsse. Seine Karriere stünde auf dem Spiel. In der 2. Liga werde er nicht spielen. Das ist die eine Seite, aber die andere ist, ja, dass genau gegen diese Spieler etwas unternommen werden sollte. Und was passiert?

Hoffenheim ist interessiert und möchte ihn verpflichten. Dazu „vergisst“ Hoffenheim dann auch noch den abgebenden Verein Schalke 04 zu unterrichten, um dann festzustellen, dass Zambrano den Medizincheck nicht bestand. Aber Zambrano war letzte Saison verletzt und es war bekannt, dass er sich noch im Aufbau befindet, also nicht 100% fit ist. Ob der durchgefallene Medizincheck eine Reaktion auf die Medien war oder die angedrohte Strafe von Schalke geschuldet war … kann ich nicht sagen. So kamen alle Parteien mit einem blauen Auge aus der Sache raus.

Aber die Sache möchte ich gar nicht so hoch hängen, weil an dem Deal wohl auch der abgebende Verein sehr gut verdient hätte und nicht ganz unfreiwillig diesem Wechsel zustimmte. Womit ich beim nächsten Wechselwilligen bin.

Boateng provozierter Wechsel von Manchester City zu den Bayern

Bayern will Boateng. Boateng will zu Bayern. Boateng hat bereits einen unterschriftsreifen Vertrag von Bayern vorliegen, obwohl diese Gespräche offiziell erst 6 Monate vor Vertragsende geführt werden dürfen. Aber Boateng hat noch 4 Jahre Vertrag bei Manchester City. Er ist ja erst vor einem Jahr vom HSV dorthin gewechselt. Seiner festgeschriebenen Ablösesumme sei dank.

Aber Manchester City will Boateng nicht abgeben, was ich gut verstehen kann, immerhin wollte Hamburg ihn auch nicht ziehen lassen. Er hat sehr viel Potenzial und kann ein Großer werden. Also Man City will Boateng nicht abgeben. Aber das lässt sich Boateng nicht gefallen. Er läuft zu jedem Mikrofon, was irgendwo in der Nähe steht, und sagt, dass er wechseln will. Jeder erfährt, mit wem er was besprochen hat und dass er allen bei seinem jetzigen Verein sagte, dass er wechseln wolle.

Die lassen sich davon nicht beirren und ich hoffe, sie bleiben stark! Denn was wurde im Januar nicht alles geredet in Deutschland. Diese Spieler sollte man auf die Tribüne setzen, kein Verein sollte diese Spieler mehr kaufen usw. Man City hätte eigentlich das Geld und sie könnten es sich leisten Boateng auf die Tribüne zu schicken und ich hoffe, sie machen es auch.

Was Boateng und auch Bayern sich herausnehmen ist eine Farce! Aber wundern tue ich mich eigentlich über die Öffentlichkeit. Alle Interviews werden unkritisch veröffentlicht – warum? Wo ist denn die Kritik an der Söldnermentalität? Warum wird bei dem Wechsel von Boateng so getan, als wäre es das normalste auf der Welt, dass ein Spieler einen Wechsel erzwingen möchte? Dass entgegen des Willens von Man City geunkt wird, dass die nur die Ablöse in die Höhe treiben wollen?

Denn auch das ist Quatsch. Zwar wechselte Boateng für 12.5 Mio nach England, aber schon da war klar, dass er unter Wert verkauft werden musste. Sein Marktwert war da schon deutlich höher. Jetzt hat er noch vier Jahre Vertrag und verdient richtig gutes Geld. Also finde ich die 20 Mio nicht zu viel. Aber im Grunde genommen darf dieser Wechsel nicht stattfinden.

Und jeder, der sagt, es ist eine Frage der Zeit, wann Boateng bei den Bayern spielt, sollte beim nächsten Wechsel eines anderen Spielers, die gleiche Meinung vertreten. Es kann nicht bei manchen Spieler auf die Barrikaden gegangen werden, um dem nächsten Spieler zu beglückwünschen. Entweder sollten alle erzwungen Wechsel verteufelt werden oder keiner!

Traurige Gewissheit, es sind immer dieselben Vereine

Was mich aus HSV Sicht etwas traurig stimmt, ist, dass der HSV bei vielen, den meisten Wechseln dabei war. Entweder weil die Spieler so dreist waren oder weil (angebliche) mündliche Versprechen nicht eingehalten wurden. So oder so, es wirft kein gutes Licht auf den Verein.

Auch Bayern München und Hoffenheim sind irgendwie immer mit von der Partie. Was sagt uns das?

Nur der HSV!

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