jung, hungrig und talentiert = Erfolg


Die heutige Erfolgsgarantie scheint zu sein junge, hungrige und talentierte Fußballer zu verpflichten oder auszubilden. Dann käme der Erfolg von alleine – siehe Dortmund, Mainz, Nürnberg und Freiburg. Aber was hat es genau auf sich mit diesen Forderungen und was steckt dahinter?

Früher war nicht alles schlecht. Und die Spieler, die heute nicht mehr zu der Kategorie jung und hungrig zählen, waren aber vor ein paar Jahren jung und hungrig. Sie waren auch talentiert, denn sonst würde keiner in der Bundesliga spielen. Was also ist anders?

Nachwuchsarbeit

Ich hole ein wenig aus. Denn Deutschland hat seinen letzten Titel mit der Nationalmannschaft (der Herren) 1996 mit Berti Vogts errungen. Allerdings wurde schon damals gewarnt, von keinem geringeren als eben Berti Vogts. Deutschland würde in der Nachwuchsarbeit hinterher hinken. Es wurde gefordert, dass in Deutschland mehr junge deutsche Spieler zum Einsatz kommen sollten. Es wurden Regeln und Vorschriften für die Bundesliga-Mannschaften erstellt, die jeder zu folgen hatte. Das Ziel war, mehr Wert auf den deutschen Nachwuchs zu legen.

Ich kann mich noch gut an das Gestöhne der Bundesligavereine erinnern, dass die Jugend nicht gut ausgebildet wäre, dass dieser Schnitt zu schnell und zu früh käme. Aber es bewegte sich was. Die Auflagen für alle Vereine für ihren eigenen Nachwuchs zu sorgen, führten zu einem Umdenken. Erst langsam, dann schneller.

Erfolge der Nachwuchs-Nationalmannschaften

Mittlerweile schauen viele Länder auf uns und unsere Jugendarbeit. Besonders nach den letzten Erfolgen:

  • U21 – Europameister 2009
  • U19 – Europameister 2008
  • U17 – Europameister 2009

Ich gehe hier jetzt mal nicht näher drauf ein, dass sich diese Mannschaften anschließend teilweise nicht mal mehr qualifizieren konnten. Das ist ein Extra-Blog wert. Hat aber nichts mit nachlassender Nachwuchsarbeit zu tun.

Der Fußball hat sich verändert

Der Fußball hat sich in den letzten Jahren verändert. Über allem steht die Taktik, das Spielsystem und wie dieses auf dem Platz umgesetzt wird. Bei keinem Spieler darf eine gute Technik, eine gewisse Grundschnelligkeit und eine gute Kondition fehlen. Das ist für mich aber selbstverständlich und ist nicht neu. Das hatten die älteren Semester auch vorzuweisen. Aber die Taktik und das Spielsystem wird den Jugendlichen von klein an beigebracht. Es wird auch verstärkt wert auf eine gute mentale Stärke geachtet.

Ältere Spieler genossen diese Art der Ausbildung nicht, sondern eine andere. Es scheint, als wären die älteren Spieler, die es nicht schaffen, sich diesem neuen System anzupassen, Fremdkörper auf dem Platz. Es sieht aus, als würden diese Spieler pomadig, hüftsteif, langsam sein. Dabei passen sie nicht ins System.

Eine weitere Änderung ist, dass vor einigen Jahren noch die Stärke des Einzelnen zählte. Ein einzelner Spieler konnte den Unterschied ausmachen. Es wurde ruhig und abwarten gespielt und auf die Lücke gewartet. Aber die gut ausgebildeten jungen Spieler bieten keine Lücken mehr. Sie sind zudem konditionell auf einem guten Niveau. Dass sich gerade die großen Mannschaften in den letzten Minuten durchsetzten war auch eine Frage der Kondition. Aber die ist gerade bei den vermeintlich schwächeren Mannschaften im Überfluss vorhanden. Auf einen Einbruch zum Ende des Spiels warten viele Mannschaften jetzt noch vergeblich. Die kam nicht.

Im Gegenteil. Im neuen Spielsystem laufen die Spieler im Schnitt 1 – 3 km mehr als früher. Das Spiel in die Tiefe, das Umschalten von Verteidigung auf Angriff, geht in Sekundenschnelle. Wer da zu lange wartet, verliert den Ball, bevor er überlegen konnte, wohin er ihn spielen möchte. Die Spieler sind durch die mentale Ausbildung auch fitter im Kopf, sie sind konzentrierter und schalten schneller um.

Beispiel HSV

Mannschaften, die verstärkt auf „ältere“ Stars setzten, die auf Qualität des Einzelnen wert legten, die einen höheren Altersdurchschnitt vorweisen, konnten nicht mehr mithalten. Dieses kann in den letzten Jahren beobachtet werden. Der HSV zum Beispiel war ein Verein, der auf Stars und Qualität setzte, aber übersah, dass ein Umbruch stattfand. Viel zu wenig Spieler standen auf dem Platz, die nach dem neuen System ausgebildet wurden. Entsprechend wurden die Tabellenplätze von Jahr zu Jahr höher.

Natürlich ist nicht alles schlecht, aber dieser Umbruch zum taktischen Spiel, der muss von allen Vereinen mitgegangen werden. Und nun sind wir wieder bei den jungen, hungrigen und talentierten Spielern. Es sind nun mal die jungen Spieler, die nach diesem System ausgebildet wurden. Deshalb wird verstärkt nach diesen jungen Spielern gesucht. Was man nicht zuletzt an den beiden Neuzugängen beim HSV sehen konnte.

Der Umbruch ist auch beim HSV angekommen und wird mittlerweile von jedem mitgegangen. Spieler, Vorstand, Aufsichtsrat und vor allem Fans. Denn diese haben sich an ihre Stars gewöhnt und müssen erstmal mit System und Taktik vorlieb nehmen.

In diesem Sinne – Nur der HSV!

 

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