Ein Artikel über Hochbegabung in eltern family.de

In diesem Artikel wird über Eltern geschrieben, die glauben ihr Kind sei hochbegabt.
http://www.eltern.de/schulkind/erziehung-und-entwicklung/kind-hochbegabt.html?page=1

Es soll ein Trend beschrieben werden, dass unsoziales Verhalten mit Hochbegabung erklärt wird. Und das von überforderten Eltern, die das als Ausrede verwenden.

Der Artikel ist nicht neutral geschrieben. Die Verfasserin schreibt darin auch, dass sie als Mutter betroffen ist, was in dem Artikel sehr deutlich spürbar ist. Das ist schade, weil eine Auseinandersetzung mit dem Thema sicherlich interessant wäre. Ist doch die Hochbegabung immer noch ein weißes Blatt und viele Eltern sind verunsichert. Manche Eltern glauben sogar, dass man die Hochbegabung eines Kindes wegbekommt, wenn man es totschweigt. Also wenn keiner davon redet, dann ist das Kind auch nicht hochbegabt. Viele Eltern haben Angst vor der Hochbegabung, weil sie wissen, dass damit ein sehr anstrengendes Leben verbunden ist. Für sie und für das Kind. Oftmals kehren bei den Eltern die schlimmen Erfahrungen  von ihrer Kindheit zurück. Und die Eltern müssen befürchten, dass ihr Kind es genauso schwer haben wird. Auch ist in der Gesellschaft eine Hochbegabung noch lange nicht akzeptiert. Die umstehenden Eltern oder Menschen zweifeln das grundsätzlich erstmal an. So wie in diesem Bericht. „ja, ja, das sagen sie alle.“ Diese Sätze musste ich mir übrigens schon vor Jahrzehnten anhören, als dieses Thema noch verschwiegen wurde. Auch da beschwerten sich Mütter, dass immer mehr Eltern meinten ihre Kinder wären was besseres und würden die Kinder zum Lernen zwingen. Es wurden Horrorszenarien gesponnen, wie schlimm es dem Kind wohl ergehen würde. Dabei wird das eigene Kind gestreichelt und gesagt, gut, dass wir nicht so sind, nciht? Aber zurück zum Artikel und zum Thema.

Es ist in den letzten Jahren bekannt geworden, dass ein rüpelhaftes Verhalten oder schlechte Noten ein Zeichen von Hochbegabung sein könnte. Ich finde es toll, wenn Eltern das als Grundlage nehmen und ihr Kind testen lassen. Was ist daran so schlimm? Beim Test würde ihnen dann schon gesagt, dass es nicht hochbegabt ist. Dann ist es halt wieder normal. Was ist daran falsch? Falsch ist aber in meinen Augen, wenn man sich darüber so lustig macht. Jeder Mensch kann doch normal auf solche Äußerungen reagieren und fragen, ob er getestet wurde. Man kann dann nach den Förderungsmaßnahmen fragen oder nach den Herausforderungen, die dem Kind gestellt werden. Es kann ein Gespräch begonnen werden oder man kann – wie diese Autorin – beleidigt einen schlechten Artikel schreiben.

Die Auflistung ist der blanke Hohn. Die Deutschen brauchen immer Checklisten. Der Grund warum in Deutschland lange Zeit die Hochbegabung kein Thema war und einige von uns nicht erkannt wurden, waren Checklisten mit denen in den 80er Jahren eine mögliche HB erkannt wird. Anhand dieser Checkliste bin unter anderem ich durchgefallen bei meinen Eltern.

Die Frage ist doch, was bedeutet sie können früh lesen und rechnen. Die Antwort kann von a) sie wissen das ein Bonbon und noch ein Bonbon zwei Bonbons sind hin zu b) sie können im Tausenderbereich addieren gehen. Also was ist früh? Dafür braucht man Kinder, die anders sind, die anders rechnen. Die Checklisten sind ungenau und führen zu nichts. Ich finde es wichtig, dass die Menschen einfach auf ihre Kinder achten, sie bewusst wahrnehmen und sie unterstützen. In dem was sie sind und was sie machen. Wenn derzeit die Hochbegabung ein Thema ist, sollten wir uns nicht beschweren – wie es in diesem Artikel gemacht wird – sondern freuen. Freuen, dass dieses Tabuthema endlich aufgegriffen wird. Und wenn es jetzt erstmal zu Unsicherheiten kommt, na und? Dann sind halt alle Kinder hochbegabt.

Das Problem ist doch, dass eine individuelle Förderung fehlt. Egal, ob Familie, Kindergarten oder Schule. Immer brauchen wir Kategorien, Schubladen und Regeln. Wenn Schublade A, dann Regel Z. GEnau dieses Verhalten trägt dazu bei, dass Deutschland beim PISA Test auch in den nächsten Jahren immer noch im Mittelfeld liegen wird. Egal wo man hinkommt, es gibt Schubladen und entsprechende Regeln.

Eigentlich dachte ich, dass eher die Muggels die Regeln und Schubladen mögen und wollen und ich dachte, dass es den HBs deshalb so schwer gemacht wird. Aber es scheint wohl auch genügend HBs zu geben, die die Schubladen toll finden. Dann wären diese HBs in dem Fall dann ein Teil der Masse. 😉

Nein, im ernst. Seit dem das Thema – ich beobachte das – in den Medien aufkommt und sich positiv über Hochbegabte, Schulen, die sich für HBs einsetzen etc. berichtet wird, äußern sich die anderen zu Wort. Muggels beschweren sich, dass in den Schulen nur noch den HBs Beachtung geschenkt wird, dass nur noch die im MIttelpunkt stehen, diese Frau beschwert sich,d ass es nur noch hochbegabte Kinder gäbe usw. So langsam tritt wieder das ein, was eigentlich immer vorherrschte. Die HB bekommt wieder einen Makel. Es kann ja nicht sein, dass neutral über dieses Thema gesprochen wird. Und anstatt stolz zu sein auf die HBs, auf ein aufgeschlosseneres Deutschland wird schon wieder gemotzt, weil die HBs zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Hallo? Jahrzehnte lang wurde dieses Thema totgeschwiegen. Viele Millionen HBs mussten leiden, weil es kein Thema war und wenn ein negatives. Und jetzt, wo das Thema endlich in den Alltag einkehrt, soll es wieder verdrängt werden. Dabei wissen die Menschen doch noch gar nicht, was HB überhaupt bedeutet. Sonst würden nicht so viele Eltern glauben, dass ihr Kind HB ist. Das heißt im Umkehrschluss, dass noch mehr über HB geschrieben werden sollte. Es muss noch intensiver berichtet werden und es sollten sich immer mehr HBs outen, damit auch im Umfeld über dieses Thema gesprochen werden kann. Es muss so normal werden wie Keuchhusten oder Masern. Also als Thema meine ich. Die Gesellschaft sollte noch mehr wissen und eine Hochbegabung endlich akzeptieren. Sowieso sollten wir lernen wieder stolz auf uns zu sein. Auf uns, so wie wir sind, egal, wie wir sind.

Aber wir sollten nicht ständig mit dem Finger auf andere zeigen, was diese Personen gerade wieder falsch machen. Da ist es egal, ob das Thema Hochbegabung, Underachiever oder Fahrrad fahren sind. Aber eine Diskussion, ob es normal ist, einem anderen Kind aufs Brot zu spucken, wenn man hochbegabt ist, sollte nicht geführt werden. Vielleicht würde es helfen sich mit den Kindern zu unterhalten, warum es zum Streit kam und überhaupt zu so einem Verhalten gegriffen wurde. Vielleicht hilft das weiter, als wenn sich die Eltern streiten, ob das Verhalten ob des IQs normal ist oder nicht.

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