Loben ja oder nein und wenn ja, wie oft?



Richtiges Lob ist wichtig, macht doch falsches zu viel kaputt. Aber muss Lob überhaupt sein? Weshalb lobt eine Mutter ihr Kind? Ist Lob nicht nur der Blick auf Leistungen und nicht auf das Kind /den Menschen an sich?

Weshalb loben wir?
Wenn ich jemanden lobe, dann teile ich meinem Gegenüber mit, dass ICH seine Leistung gut finde. Ich werte also eine Tat, gleiche sie mit bestimmten Maßstäben ab und komme dann zum Urteil: Gut gemacht oder schlecht gemacht.

Was bezwecke ich mit dem Lob?
Ganz ehrlich? Es ist meistens eine subtile Manipulation. Ich will meinem Gegenüber mitteilen, dass das was er gemacht hat, gut war, um ihn zu bestärken, es weiterhin zu tun.

Was passiert beim Loben?
Der Gelobte schaut auf sich und vergleicht das Lob mit seinem Empfinden. Wie du Birgit ja schreibst, kann es sein, dass die Werte auseinander gehen. Der Gelobte sieht seine Leistung besser oder schlechter. Aber was passiert, wenn die Schere zu weit auseinander geht? Wenn ein Kind für eine Leistung gelobt wird, die er selbst nicht gut fand? Er ist traurig, weil der Lobende nicht einschätzen kann, was das Kind tatsächlich zu leisten im Stande ist.

Aber wie erfährt ein potenziell Lobender wie der zu Lobende seine Leistung sieht?
Indem er fragt. Wäre nicht vieles so viel einfacher, wenn die Kinder, die Jugendlichen, die zu Lobenden einfach mit einbezogen werden? Ein Kind läuft freudestrahlend auf die Mutter zu und schreit: „Mama, Mama, schau mal, was ich gemacht habe.“ Hält dabei das Papier in die Luft und strahlt über das ganze Gesicht. Würde jetzt gelobt werden „tolle Zeichnung“, „toll gezeichnet“, „das hast du aber hübsch gemacht“ oder auch „die Strichführung ist aber exakt“, kann es sein, dass das Kind etwas ganz anderes erwartet hat. Die Enttäuschung wäre riesig, auch wenn es nicht gezeigt wird, denn vor seinen Liebenden würde man nicht zugeben, dass man enttäuscht ist. Die Enttäuschung sitzt tief drinnen. Warum wird nicht einfach gefragt. Was möchtest du mir zeigen? Was gefällt dir denn so? Oder den Fokus vielleicht gar nicht auf Leistungen legen, sondern auf den Menschen an sich. Warum hast du gemalt? Wieso hast du genau das gemalt? Was ging dir durch den Kopf? Hast du Spaß und Freude dabei gehabt? Damit würde der Fokus weg von der Leistung und Lob und dafür hin zum Menschen führen.

Ist Lob wichtig? Um ein Kind zu motivieren garantiert nicht. Denn Kinder haben eine hohe Eigenmotivation, die kann von außen nur zerstört werden. Ein Kind, das gerne malt, braucht das Lob nicht, um weiter zu malen. Das Kind muss einfach immer das Gefühl haben, geliebt zu werden, egal, was es malt und egal, was es macht. Die Eigenmotivation kann natürlich bei Bedarf gestärkt werden, aber ob das Lob dafür das Richtige ist?

die Eigenmotivation ist intrinsisch und kommt von innen heraus. Diese Eigenmotivation braucht kein Lob von außerhalb. Die Gefahr, dass dieser Mensch (meist Kind) Dinge irgendwann nur noch tun, weil sie ein Lob bekommen ist sehr groß. Ich frage, ob das Lob von außen überhaupt sein muss, wenn doch die Eigenmotivation schon vorhanden ist.

Ein Lob soll stärken, sagst du. Aber eine Persönlichkeit entwickelt sich am besten, wenn es sich mit Herausforderungen messen kann und die durch eine Eigenmotivation gemeistert wurden.

Im Grunde genommen sollten alle Eltern dafür sorgen, dass die natürliche Eigenmotivation der Kinder nicht beeinträchtigt wird. Aber Kinder lernen und haben Spaß auch ohne Lob. Das größte Lob für sie selbst, ist wenn sei eine Herausforderung gemeistert haben.

Ein Lob kann helfen, wenn die Eigenmotivation – aus welchen Gründen auch immer – nicht so vorhanden ist, wie es normal wäre. Dann hilft die Motivation von außen vielleicht den Zugang zu der Eigenmotivation wieder zu finden. Aber gut ist Lob deshalb nicht.

Ein Kind wird gelobt. Das findet es toll, weil viele Kinder Lob mit Liebe gleichsetzen. Also macht das Kind dasselbe noch mal, um wieder „geliebt“ zu werden. Bekommt es beim zweiten Mal diese Liebe nicht, wird es sich mehr anstrengen, um diese Liebe zu erhalten. Und nun tritt ein Muster ein. Das Kind versucht Dinge zu machen, um dieses Lob, diese Liebe zu bekommen. Es macht diese Dinge nicht mehr, um sich selbst zu belohnen, um sich an Herausforderungen zu messen und um sich mit körpereigenen Glückshormonen zu belohnen.

Ich denke, jeder sollte sich hinterfragen, warum er lobt. Eine Umarmung wird dem Kind viel mehr helfen. Dem Kind zu sagen, dass es toll ist, wie es ist. Wird dem Kind auch viel mehr helfen. Diese Dinge sollten häufiger gesagt und getan werden. Das Lob ist nicht so wichtig. Dem Kind zu zeigen, dass es in Ordnung ist, wie es ist. Egal, ob es eine gute oder eine schlechte Leistung war, das ist wichtig.

Und wofür lobt man denn, wenn nicht für Leistungen?

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