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Loben ja oder nein und wenn ja, wie oft?

Mittwoch, Dezember 1st, 2010



Richtiges Lob ist wichtig, macht doch falsches zu viel kaputt. Aber muss Lob überhaupt sein? Weshalb lobt eine Mutter ihr Kind? Ist Lob nicht nur der Blick auf Leistungen und nicht auf das Kind /den Menschen an sich?

Weshalb loben wir?
Wenn ich jemanden lobe, dann teile ich meinem Gegenüber mit, dass ICH seine Leistung gut finde. Ich werte also eine Tat, gleiche sie mit bestimmten Maßstäben ab und komme dann zum Urteil: Gut gemacht oder schlecht gemacht.

Was bezwecke ich mit dem Lob?
Ganz ehrlich? Es ist meistens eine subtile Manipulation. Ich will meinem Gegenüber mitteilen, dass das was er gemacht hat, gut war, um ihn zu bestärken, es weiterhin zu tun.

Was passiert beim Loben?
Der Gelobte schaut auf sich und vergleicht das Lob mit seinem Empfinden. Wie du Birgit ja schreibst, kann es sein, dass die Werte auseinander gehen. Der Gelobte sieht seine Leistung besser oder schlechter. Aber was passiert, wenn die Schere zu weit auseinander geht? Wenn ein Kind für eine Leistung gelobt wird, die er selbst nicht gut fand? Er ist traurig, weil der Lobende nicht einschätzen kann, was das Kind tatsächlich zu leisten im Stande ist.

Aber wie erfährt ein potenziell Lobender wie der zu Lobende seine Leistung sieht?
Indem er fragt. Wäre nicht vieles so viel einfacher, wenn die Kinder, die Jugendlichen, die zu Lobenden einfach mit einbezogen werden? Ein Kind läuft freudestrahlend auf die Mutter zu und schreit: “Mama, Mama, schau mal, was ich gemacht habe.” Hält dabei das Papier in die Luft und strahlt über das ganze Gesicht. Würde jetzt gelobt werden “tolle Zeichnung”, “toll gezeichnet”, “das hast du aber hübsch gemacht” oder auch “die Strichführung ist aber exakt”, kann es sein, dass das Kind etwas ganz anderes erwartet hat. Die Enttäuschung wäre riesig, auch wenn es nicht gezeigt wird, denn vor seinen Liebenden würde man nicht zugeben, dass man enttäuscht ist. Die Enttäuschung sitzt tief drinnen. Warum wird nicht einfach gefragt. Was möchtest du mir zeigen? Was gefällt dir denn so? Oder den Fokus vielleicht gar nicht auf Leistungen legen, sondern auf den Menschen an sich. Warum hast du gemalt? Wieso hast du genau das gemalt? Was ging dir durch den Kopf? Hast du Spaß und Freude dabei gehabt? Damit würde der Fokus weg von der Leistung und Lob und dafür hin zum Menschen führen.

Ist Lob wichtig? Um ein Kind zu motivieren garantiert nicht. Denn Kinder haben eine hohe Eigenmotivation, die kann von außen nur zerstört werden. Ein Kind, das gerne malt, braucht das Lob nicht, um weiter zu malen. Das Kind muss einfach immer das Gefühl haben, geliebt zu werden, egal, was es malt und egal, was es macht. Die Eigenmotivation kann natürlich bei Bedarf gestärkt werden, aber ob das Lob dafür das Richtige ist?

die Eigenmotivation ist intrinsisch und kommt von innen heraus. Diese Eigenmotivation braucht kein Lob von außerhalb. Die Gefahr, dass dieser Mensch (meist Kind) Dinge irgendwann nur noch tun, weil sie ein Lob bekommen ist sehr groß. Ich frage, ob das Lob von außen überhaupt sein muss, wenn doch die Eigenmotivation schon vorhanden ist.

Ein Lob soll stärken, sagst du. Aber eine Persönlichkeit entwickelt sich am besten, wenn es sich mit Herausforderungen messen kann und die durch eine Eigenmotivation gemeistert wurden.

Im Grunde genommen sollten alle Eltern dafür sorgen, dass die natürliche Eigenmotivation der Kinder nicht beeinträchtigt wird. Aber Kinder lernen und haben Spaß auch ohne Lob. Das größte Lob für sie selbst, ist wenn sei eine Herausforderung gemeistert haben.

Ein Lob kann helfen, wenn die Eigenmotivation – aus welchen Gründen auch immer – nicht so vorhanden ist, wie es normal wäre. Dann hilft die Motivation von außen vielleicht den Zugang zu der Eigenmotivation wieder zu finden. Aber gut ist Lob deshalb nicht.

Ein Kind wird gelobt. Das findet es toll, weil viele Kinder Lob mit Liebe gleichsetzen. Also macht das Kind dasselbe noch mal, um wieder “geliebt” zu werden. Bekommt es beim zweiten Mal diese Liebe nicht, wird es sich mehr anstrengen, um diese Liebe zu erhalten. Und nun tritt ein Muster ein. Das Kind versucht Dinge zu machen, um dieses Lob, diese Liebe zu bekommen. Es macht diese Dinge nicht mehr, um sich selbst zu belohnen, um sich an Herausforderungen zu messen und um sich mit körpereigenen Glückshormonen zu belohnen.

Ich denke, jeder sollte sich hinterfragen, warum er lobt. Eine Umarmung wird dem Kind viel mehr helfen. Dem Kind zu sagen, dass es toll ist, wie es ist. Wird dem Kind auch viel mehr helfen. Diese Dinge sollten häufiger gesagt und getan werden. Das Lob ist nicht so wichtig. Dem Kind zu zeigen, dass es in Ordnung ist, wie es ist. Egal, ob es eine gute oder eine schlechte Leistung war, das ist wichtig.

Und wofür lobt man denn, wenn nicht für Leistungen?

Macht-Worte

Mittwoch, Dezember 1st, 2010


Stuttgart 21. Die Welt ist wieder in Ordnung. Jemand hat mit der Faust auf den Tisch gehauen und „Basta“ gerufen. Menschen dachten, sie hätten Rechte und wären frei und verhielten sich entsprechend. Aber so funktioniert das System nicht. Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit. Wie oft wurde „Basta“ gesagt, wenn Sie zu oft „Warum“ fragten? Half das nicht, dann der Stubenarrest oder die schallende Ohrfeige. Es wurden Zeichen gesetzt und Grenzen aufgezeigt. Oder nehmen wir die Kindergartenzeit. Ein Mittagsschlaf wurde angeordnet und die Einhaltung mit allen Mitteln befolgt. Widerstand wurde mit Sanktionen gebrochen. Und weiter zur Schule. Wer den Lehrer, seinen Unterricht oder das Schulsystem kritisierte, wurde mit einer entsprechenden Notengebung ruhiggestellt. Bei der Arbeit kann sich ein Mitarbeiter seinem Chef auch nicht in den Weg stellen, weil der zum Beispiel den Umweltschutz missachtet oder die angeordneten Überstunden nicht bezahlt. Das hätte zur Folge, dass man diese vom Arbeitsamt erhält. Die Grenzen und Regeln werden vorgegeben. Wer sich fügt, fährt am besten. Das lernen wir in Deutschland von Kindesbeinen an. Umso erstaunlicher das Verhalten einiger weniger in Stuttgart. Das System wurde in Frage gestellt und deshalb musste durchgegriffen werden. Wo kommen wir hin, wenn Menschen auf die Straße gehen und demonstrieren? Zumal sich Teile der Bevölkerung dieses erlaubten, die ins Altersheim oder in die Schule gehören. Die Reaktion war notwendig, um das System zu erhalten. Die Politik verdeutlichte, was legitim ist und manifestierte die Grenzen. Jugendliche haben kein Recht zu demonstrieren, Eltern mit ihren Kindern sollten dies auch nicht tun, und da die Rentner zu rüstig schienen, hat man sie kurzerhand etwas seniler gemacht. Wer regt sich auf, wenn ein Rentner sein Augenlicht verliert? Schüler, die sich widersetzten, hatten verweichlichte Erziehungsberechtigte oder schlechte Lehrer, deshalb mussten sie mit dem gebündelten Wasserstrahl von den Bäumen geschossen werden. Dieser Vorgang war wichtig, verdeutlicht er, wie eine Strafe auszusehen hat. Mit der zunehmenden Jugendkriminalität im Rücken musste durchgegriffen werden. Vorbildlich wurde gezeigt, dass keiner nichts zu sagen hat.

Es herrscht wieder Zucht und Ordnung. Wenn die Politik etwas beschließt, wird es umgesetzt. Basta. Wenn dafür viel Geld notwendig ist, was nicht vorhanden ist, wird es trotzdem ausgegeben. Basta. Wenn jahrzehntealte Bäume gefällt werden, obwohl damit in einer Feinstaubschleuse der Filter fehlt, werden sie natürlich gefällt. Basta. Wenn ein Projekt einigen wenigen hohes Ansehen verleiht, wird alles dafür unternommen. Basta. Wenn sich Banken mit dem Geld der Bevölkerung verspekulieren und der Steuerzahler zahlen muss, ist es halt so. Basta. Dieses Kapital wird anschließend beim Steuerpflichtigen eingespart. Basta. Also warum diese Aufregung? Was wollten diese Menschen zu dieser Zeit in diesem Park? Ich nehme an, dass in Stuttgart und Umgebung die Erziehung nicht funktionierte, sonst wären die Personen ihren Tätigkeiten nachgegangen und diese Demonstration hätte nicht stattgefunden. Die verpasste Prügel der letzten Jahre wurde an einem Nachmittag nachgeholt. Das ist Gerechtigkeit.

In Stuttgart gab es nichts Neues. Seit der Geburt werden wir auf diese Erziehung und diesen Führungsstil vorbereitet, damit wir uns dem System anpassen. Diese Machtausübung, diese Machtworte waren notwendig und es wurde Zeit, es allen noch mal ins Gedächtnis zu rufen. Oder?

Zu dieser Komödie passt der Schlichterspruch von gestern. Das Konzept wird überarbeitet, es wird überprüft … das höre ich schon seit dem das Projekt das erste Mal vorgestellt wurde. Es ist wie immer, die Gegner werden mundtot gemacht. Was soll oder kann man auch noch gegen das Konzept sagen? Es wird alles überprüft. Nur das damit die ganze Zeit alle Gegner hingehalten wurden, das hat keiner gesagt. Wenn dann still und heimlich wieder alles überprüft, für gut befunden und ausgeführt wird, wundern sie sich, dass die Gegner wieder aus ihren Löchern kommen. Den Gegnern wird dann wieder vorgeworfen, sie hätten sich doch die ganze Zeit melden können, aber jetzt … kommen sie aus den Löchern gekrochen. Es ist wie immer und es bleibt wie immer. Wetten, die CDU bekommt bei der Landtagswahl im März 2011 genauso viele Stimmen, wie immer? Hat bis jetzt ja auch wunderbar funktioniert.