Archive for Dezember, 2010

Neue Rezension zum Nachlesen

Montag, Dezember 20th, 2010

Wieder wurde eine Rezension bei amazon eingestellt. Ich bin sehr zufrieden, zeigt mir doch, dass neun Rezensionen in zwei Monaten auf reges Interesse der Leser schließen lässt. Es freut mich, dass das Buch zum Nachdenken anregt und hilft, wenn man sich verändern möchte.

Sollte es weitere Rückmeldungen geben oder Rezensionen dann nur her damit. Ich freue mich über jedes Feedback.

HSV Situation ums Gladbach Spiel

Montag, Dezember 20th, 2010


Dieser so wichtige Sieg ist errungen. Den Bayern sagt man nach, dass sie die entscheidenden Spiele gewinnen würden. Beim HSV hatte ich da meine Zweifel, aber ich wurde eines besseren belehrt. Im Grunde genommen deutete alles auf einen Sieg hin. Es wurde ruhig weitergearbeitet, keiner hat sich aus der Ruhe bringen lassen. Weder der Sportchef durch die Attacke unter der Gürtellinie, weder Hoffmann als Vorstandsvorsitzender noch Veh als Trainer. Jeder hat seinen Job gemacht, hat Ruhe ausgestrahlt und das – gab es lange nicht mehr.

Die Attacke gegen unseren Sportchef Reinhardt konnte ich nicht nachvollziehen. Erstens, weil dieser Mann sich bei der Wahl enthalten hat und nicht dagegen stimmte, zweitens, weil mit ihm im Aufsichtsrat weiterhin mehr mit der Presse als miteinander gesprochen wird und drittens, weil Reinhardt überhaupt  noch keine Möglichkeit hatte sich auszuzeichnen oder zu versagen. Die Spieler wurden vor seiner Wahl bereits verliehen, verkauft oder gekauft. Neue Spieler hat er noch nicht kaufen können, da noch keine Transferperiode in seiner Amtszeit lag. Also warum dieses Störfeuer in einer Zeit, in der es der HSV ganz sicher nicht gebrauchen kann? Es ist Wahlkampf und ich hoffe, dass er die Quittung für seine öffentliche Schelte bekommt. Hoffentlich wird er nicht wiedergewählt, denn ich möchte keinen Aufsichtsrat, der nach einer Wahl seine Meinung kundtut und sich gegen die gemeinsame Entscheidung stellt. Dieser Mann ist nicht tragbar und würde dem HSV nicht gut tun. Dort brauchen wir Männer oder Frauen, die Teamplayer sind. Hier hoffe ich auf Kober, der sich zur Wahl gestellt hat. Er wird mit seinem sportlichen Wissen und seinem Netzwerk Entscheidungen aus sportlicher Sicht beleuchten können. Im Aufsichtsrat müssen auch Sportler sitzen, die vom sportlichen Geschäft Ahnung haben. Aber da vertraue ich ganz den HSV Mitgliedern. Das wird.

Zum Spiel. Es gab böse Zungen, die mit dem Sieg nicht zufrieden waren. Aber das werde ich nicht verstehen. In dieser Situation, in der der HSV steckte, kann keiner ernsthaft guten Fußball sehen wollen. Ich gucke da immer gerne zum FC Bayern. Dieser Verein ist das Maß aller Dinge und wenn dort so eine Situation herrschte, sagte JEDER, dass nur der Sieg zählt und alles andere kommen wird. Auch beim HSV sollten mehr so denken. Es war wichtig, dass gewonnen wurde. So konnte der Abstand teilweise sogar verringert werden. Der Blick geht ganz klar nach oben und nicht nach unten, was bei einer Niederlage unvermeidbar gewesen wäre. Nun gilt es, den angefangenen Weg weiterzugehen. Ruhig und mit Sachverstand.

Armin Veh hatte bestehendes Spielermaterial mit dem er klar kommen musste. Er hat sich seine Mannschaft nicht zusammengestellt und musste diese erstmal kennenlernen. Er musste im laufe der Hinrunde erstmal sehen, wer in welcher Situation wie reagiert. Er musste sehen, auf wen er sich verlassen kann und wer ein Schönspieler ist. Wer setzt seine Vorgaben um und wer widersetzt sich. Das sind Dinge, die er nicht auf dem Blatt Papier sehen kann. Er hat der Mannschaft gezeigt, was er will und wo es lang gehen soll. Ich habe den Eindruck, dass das so langsam alle verstehen. Vor allem bin ich sehr überrascht, wie Armin Veh Rost jetzt einbindet. Denn Rost sieht viel und kann Einfluss nehmen. Allerdings nicht auf seine sonst übliche Art und Weise, in dem er alle anschrie, die einen Fehler machten. Jetzt lobt er Spieler, er klatscht mit ihnen ab, er sagt nichts bei einem Fehler und das ist gut so. Andere schlecht zu machen und zu kritisieren hilft auf dem Platz nicht, wenn eh eine große Unsicherheit herrscht. Veh hat das mit Rost geschafft und er wird es weiter schaffen, die Mannschaft umzukrempeln. Der Vorstand wird mit Veh verlängern und ich freue mich drauf. Veh hat ein Auge für Talente, er kann seine Mannschaft einstellen und er sieht genau, was funktioniert und was nicht. Spieler, die eine Pause brauchen, lässt er draußen. Punkt. Trainingsleistungen zählen sehr viel, so dass sich jeder reinhängt und im Training alles gibt. Allerdings hoffe ich, dass er Besic eine Chance gibt.

Besic hatte mir gegen Hannover gefallen und obwohl er danach keine Minute mehr spielte, hat er in Gladbach gespielt wie ein Großer. Demel wurde ihm vorgezogen, weil Demel besser Kopfballspielen kann, aber Demel geht leider in keinen Zweikampf. Besic macht dieses Manko mit seinem Stellungsspiel wett. Außerdem war Besic gefühlt häufiger am Ball als Westermann. Jeder Ball, der über die IV nach vorne gespielt wurde, ging über Besic. Jeder Ball kam an, er stand immer richtig und setzte dann seine Mitspieler gut in Szene. Ich hoffe, er darf weiter neben Westermann spielen. Westermann als Linksfuß spielt auf der Position von Mathijsen viel sicherer und stabiler. Er ist eine Bank geworden. Dazu ein Besic mit seinem Auge, seinem Stellungsspiel und seinem Paßspiel. Diese IV kann den HSV in der Rückrunde ganz weit bringen. Dazu Aogo als LV und Dieckmeier/Benjamin als RV. Diese Verteidigung wird sich einspielen und sicherer stehen, als in der Hinrunde. Rost wächst in immer mehr in seiner Position, seit dem Veh und Reinhardt ihn gekitzelt haben. So würde ich mit ihm noch zwei Jahre verlängern. Vorher hätte ich ihn abgegeben. Ich hoffe, er behält es bei. Im Mittelfeld bin ich sehr gespannt, wie es weitergehen wird. Für mich wäre Rincon und Ze/Trochowski erste Wahl auf der 6er Position. Rincon als Wadenbeißer, der mal dazwischen geht und Ze oder Trochowski für die Bälle in die Spitze. Rechts Pitroipa, links Elia/Jansen wären eine Flügelzange, die sonst kaum ein Verein hat. Vorne dann Petric und Ruud. Sollte sich Petric zusammenreißen und mit Ruud spielen, ansonsten wäre Petric draußen und es spielt Torun. Dann haben wir noch die Youngster mit Son, Choupo-Moting, Ben-Hatira, die immer wieder ihre Einsatzzeiten bekommen werden und der ersten Elf Beine machen wird. Sollte Veh das Glück haben, dass er in der Rückrunde mit derselben Elf spielen kann, diese sich einspielt, die Automatismen greifen, werden wir eine Rückrunde spielen wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Das europäische Geschäft würden wir schaffen.

Aber dafür müssen alle ruhig bleiben. Der Vorstand, der Aufsichtsrat und die Trainer. Die Mannschaft sollte sich selbstkritisch mit sich selbst auseinandersetzen und ständig an sich arbeiten. Sollten diese Bedingungen gelten, kann der HSV noch viel erreichen. Ebenso weiß dann Veh im Sommer genau, wen er noch braucht und wen er abgeben muss. Diese Erkenntnis hat er jetzt gewonnen und er kann diese umsetzen. Umso mehr freue ich mich auf die nächste Saison. Nur zur Erinnerung: van Gaal brauchte die Hinrunde, damit die Mannschaft ihn versteht mit weniger Verletzten. Klopp spielt die dritte Saison in Dortmund. Im zweiten Jahr wurde das internationale Geschäft erreicht und dieses Jahr die Champions League. Tuchel brauchte auch ein halbes Jahr, um seine Mannschaft kennenzulernen. Es gibt keinen Trainer, der kommt und sofort Meister wird. Dafür gibt es genügend Beispiele, außerdem zeigten die letzten Jahre, dass es mit dem ständigen Trainerwechsel immer weiter bergab geht.

In dem Sinne – Nur der HSV!

HSV verliert zu Hause gegen Leverkusen

Samstag, Dezember 11th, 2010


Es ist unfassbar, aber eine gute Möglichkeit Neues zu wagen. Armin Veh hat seine jungen Talente schützen wollen, wollte sie nicht in eine instabile Mannschaft reinschmeißen, hat seinen Routiniers an der Ehre gepackt. Aber wenn die Routiniers zusammen versagen und für das instabile Mannschaftsgefüge sorgen, dann sollte man auf die Jungen setzen und diesen die Möglichkeit geben zu wachsen.

Ganz ehrlich? Ich weiß nicht, was Ze Roberto seit vier Spielen auf dem Platz macht. Aber ich fand es richtig, dass Veh ihm diese Spiele Zeit gab. Denn, dass Ze das besser kann, hat er 12 Spiele lang bewiesen. Aber seit vier Spielen ist er nur noch ein Sicherheitsrisiko, Zweikampfschwach. Er spielt, wo er gerade Lust hat, egal, ob die Seite schon dicht ist oder nicht. Ganz schwach. Ich hoffe, dass Veh die sich traut Ze Roberto draußen zu lassen gegen Gladbach.

Jarolim. Er war laut Medien sauer, weil er draußen sitzen musste. Wenn jemand draußen sitzt, sollte er nicht schmollen, sondern schauen, was er besser machen kann. Er hat angeblich nicht verstanden, warum Veh ihn draußen ließ? Dann sollte er sich seine letzten Spiele mal am TV anschauen, dann weiß er warum. Das Spiel nach seiner Verletzung hat er genial gespielt. Da dachte ich schon, super, jetzt wird Jarolim ein Großer und führt die Mannschaft. Aber was danach kam, war nichts. Er ist nicht mehr so ballsicher, wirkt langsam und gedankenschwach. Er braucht einfach zu lange, um Situationen zu erfassen und entsprechend zu handeln. Nach dem er heute wieder eine Chance bekam, sage ich, dass er gegen Gladbach auch auf die Bank muss.

Demel. Warum machst du nur alles falsch, was man falsch machen kann? Du spielst anstatt einem Besic, weil du kopfballstärker sein sollst. Aber du weichst jedem Duell aus. Du gehst in keinen Zweikampf, du nimmst keinen Kopfballzweikampf an, du schaust nicht, wo dein Gegenspieler ist, du kannst den Ball nicht weiterspielen … Veh bitte erlöse uns. Sie wollen Besic nicht reinschmeißen, zudem hat er ein schwaches Kopfballspiel. Aber Besic geht wenigstens in die Zweikämpfe. Das ist besser als Demel, der in einem Sicherheitsabstand zuschaut.

Guerrero hat mal wieder gezeigt, dass er nicht alles gibt. Mit Schönspielerei gewinnt man kein Spiel! Da ich bei Guerrero keine Steigerung sehe, sondern ein schwaches Spiel auf niedrigem Niveau, sollte man einem jungen Spieler die Möglichkeit geben, mehr zu zeigen.

Elia kann ich nicht wirklich einschätzen. Er hat in Freiburg eine klare Verweigerung gezeigt. Gegen Leverkusen war seine Leistung trotz Tor nicht besser. Er trat nicht in Erscheinung. Sollte es daran liegen, dass er wochen und monatelang verletzt war, dann gebe ich ihm weitere Chancen, aber ansonsten ist das ganz, ganz schwach.

Ich wünsche mir folgende Änderung. Da sich die Abwehr langsam wieder stabilisiert, da Aogo und Benjamin zurück sind. Westermann spielt überragend, versucht alles, war der beste Mann auf dem Platz, aber er alleine kann nicht viel anrichten. Aber er geht voran und versucht seine Mitspieler mitzureißen. Dazu jetzt noch Besic und die Abwehr wird in der Rückrunde stabiler sein. Darauf kann aufgebaut werden. Als 6er würde ich Rincon und Trochowski spielen lassen. Sobald Trochowski weiter vorne spielt oder spielen soll, wird er schwächer. Trochowski spielt gut, wenn er den Ball in Ruhe hinten bekommt und dann Platz hat seine Technik und sein Auge auszuspielen. Rechts ist Pitroipa sehr gefährlich. Leider wird er viel zu selten eingesetzt, der einzige, der das kann und macht ist Ruud. Das sollte zu denken geben. Auf der linken Seite weiß ich nicht, wie weit Elia schon ist, sonst würde ich dort Son spielen lassen. Und vorne würde ich Torun Ruud an die Seite stellen. Torun rackert und läuft und wird Ruud die Räume schaffen. Ich weiß nicht, wie sich Choupo-Moting im Training zeigt und warum er keine Einsatzzeiten bekommt, aber auch ihm würde ich seine Chance geben. Damit ergibt sich für Gladbach folgende Aufstellung:

Rost
Benjamin – Besic – Westermann – Aogo
Rincon – Trochowski
Pitroipa – Son/Elia
Torun – Ruud

Das ist eine Mannschaft, die will und die wird sich zerreißen. Die wird sich gegenseitig stärken und aufbauen. Kann sich die Mannschaft ein paar Spiele einspielen und hat sie die Vorbereitung auf die Rückrunde, dann wird diese Mannschaft stark genug sein, um wieder erfolgreich zu spielen. Sollten die ersten Spiele nicht so gut werden, dann sollten wir diese Mannschaft trotzdem unterstützen und aufbauen. Es sollte nicht alles zerrissen werden und vor allem sollte man dem Trainer die Möglichkeit geben etwas aufzubauen. Der Trainer sieht sehr schön, welcher Spieler nicht sein Optimum herausholt und wer eine Pause braucht. Er sieht auch die Talente, aber wir alle sollten ihm die Möglichkeit geben sich seine Mannschaft aufzubauen. Wir dürfen nicht vergessen, dass Klopp in seiner dritten Saison erst so gut mit Dortmund spielt und auch Tuchel schon in seiner zweiten Saison ist. Diese Zeit, also eine weitere Saison sollten wir Veh geben, um zu zeigen, was er kann und was er mit dem HSV erreichen will.

In diesem Sinne – lasst uns Ruhe bewahren! Nur der HSV!

Gleiche Anreize für Politik und Grundschüler

Freitag, Dezember 10th, 2010


Schon erstaunlich, wie simpel die deutsche Politik zu beeinflussen ist. Jahrzehntelange Kritik aus den eigenen Reihen über die schlechte Schulqualität haben nichts gebracht. Da musste schon ein kleiner Wettbewerb her, um für ein Umdenken zu sorgen. Wie in der Grundschule, wenn der Tisch einen Punkt bekommt, an dem zu erst alle Schüler still sitzen und für den Unterricht fertig sind. Es hatte vorher auch nciht geholfen, wenn die Lehrerin um Ruhe und schnelles hinsetzen bat. Nein, da mussten kleine Punkte herhalten, die in einem Wettbewerb vergeben wurden. Ist das jetzt ein Vor- oder Nachteil, dass die Politik wie die Grundschüler funktionieren? Immerhin hat die PISA Studie nur deshalb für Aufsehen gesorgt, weil Deutschland noch nicht mal im Mittelfeld lag. Vielleicht hätte man das ganze weniger beachtet, wäre Deutschland um die Mitte herum gelegen. Dann hätte man die Studie belächelt, weil ja alles bestens ist, und sich „wichtigerem“ zugewandt. Aber – Gott sei Dank – lag Deutschland weit abgeschlagen. Die Panik war groß und endlich wurde agiert. Aber es war lediglich eine Reaktion und keine eigene Aktion, deshalb waren die ersten Ansätze auch keine Reform, sondern lediglich eine Veränderung. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber wer will es denn den Politikern verübeln? Sind doch gefühlte 35% der Politiker Lehrer. Wer erwartet denn ernsthaft, dass sich die Lehrer ihre eigene Arbeit schwerer machen? Als Lehrer hatte man doch vor der PISA Zeit ein schönes Leben. Schüler, die widersprachen wurden mündlich und wenn es ging auch schriftlich abgemahnt, so dass die Noten ein Verbleib in der Klasse oder der Schule leider verhinderten. Lehrer haben mit der Notengebung eine Macht, die sie schamlos ausnutzten. So wurden alle Schüler still gehalten, wer aufmuckte, tat dieses nicht lange (siehe Notengebung). Die Schulunterlagen wurden einmal nach dem Studium angelegt, manchmal sogar von einem scheidenden Lehrerkollegen übernommen und jedes Jahr wieder verwendet. Dass Inhalte nicht mehr passten, war eine Randnotiz, denn wer wollte dagegen etwas sagen? (siehe Notengebung) Eltern, die sich kritisch zum Unterricht oder Pädagogik äußerten, wurde vor Augen geführt, wie eine Gruppe funktionierte. Es wurde eine negative Äußerung über den Nachwuchs fallen gelassen. Das führte dazu, dass sich der äußernde Elternteil von den anderen Eltern isoliert wurde und sich somit einer dicken Front gegenüber sah. Und Lehrer hatten genügend Zeit sich Gedanken um einzelne Elternteile zu machen, gab es damals den Nachmittagsunterricht noch nicht und durch die Stillarbeit und Frontalunterricht war ofmals sogar während des Unterrichts genügend Zeit. Diese schöne Zeit gibt keiner freiwillig auf, außer die, die wirklich etwas bewegen wollen. Aber wollen Lehrer das?

Es hat gedauert bis sich etwas tat. Und dann waren das so gravierende Einschnitte wie die Umbenennung der Schulzweige oder die Zusammenlegung von der Haupt- und der Realschule. Zumindest waren es Veränderungen, um nach außen den Schein zu wahren, dass etwas passiert. Aber außer, dass Chaos angerichtet wurde, passierte anfangs nicht wirklich viel. Als aber die zweite PISA Studie keine Verbesserung erkennen ließen und sogar etwas schlimmes hinzu kam, nämlich die Ungerechtigkeit gegenüber Migranten, musste etwas geschehen. Schnell wurde das achtjährige Abitur eingeführt und eine weitere Diskussion geführt, wie viel gliedrig das System Schule denn nun sein sollte. Aber die Schmach war groß. Es wurde in allen Medien behandelt und sickerte natürlich auch ins Ausland. Deutschland hat eine Zweiklassen-Gesellschaft, Migranten hätten keine gleichen Chancen und vor allem, Deutschland hängt immer noch weit hinten im Testergebnis. Das kratzte dann doch am Ego der Regierung und es musste sich etwas ändern. Es konnte doch nicht sein, dass Deutschland als Land der Dichter und Denker auf der Welt mit ihren Schülern weit abgeschlagen ist. Ein leichtes Umdenken fand statt. Junge und engagierte Lehrer wurden nicht mehr schon nach drei Jahren desillusioniert, sondern es dauerte nun ganze fünf Jahre. Es wurden ständig neue Test entwickelt und durchgeführt. Die Prüfungen wurden verändert und vor allem vereinheitlicht, aber der Unterricht und die Lehrer blieben wie sie waren. Diese ganzen Diskussionen über Schulsystem, Anzahl der Glieder, Einführungen von Test und Vergleichsarbeiten, zusätzliche Stunden, zusätzliche Arbeit der Schüler, zusätzliche Einsatzzeiten der Eltern führten dazu, dass wahre Reformen, die entwickelt wurden, einheitlich abgelehnt wurden, weil schon zu viel geändert wurde und die Eltern, wie die Schüler keine weiteren Änderungen mehr wollten. Denn die Veränderungen in der Schule führten zu mehr Stress, mehr Druck, mehr Arbeit, aber keineswegs zu besseren Unterricht oder besser Marktchancen nach der Schule. Also warum weiter ändern? Jetzt hatte sich die Politik mit ihrem anfänglichen Aktionismus das Leben selber schwer gemacht.

Aber das Ansehen von Deutschland war noch nicht wieder hergestellt, zudem ist der Schrei nach Fachkräften aus der Wirtschaft immer deutlicher zu hören, es musste also reagiert werden. Es wurden reförmchen angestoßen und die zeigen bei der aktuellen PISA Studie auch wirklich Wirkung. Deutschland ist nicht mehr weit abgehängt am Ende zu finden, sondern nähert sich offenbar dem Mittel an und ist ab und an sogar über dem Strich zu sehen. also, es tut sich was. Was wäre die Politik ohne diesen Wettkampf? Denn trotz Wettkampf ist Deutschland schwerfällig und reformunwillig.

Man darf nicht vergessen, dass Deutschland keine Bodenschätze hat und von seiner Arbeitskraft lebt oder besser lebte. Patente werden immer weniger von Deutschen eingereicht, auch machen uns andere Ländern in Hinblick auf Forschung etwas vor. Deutschland versucht krampfhaft den Anschluss wieder herzustellen, möchte aber die gewachsenen Strukturen nicht aufgeben. Schade, dass der Blick zu selten auf das große Ganze geht. Was könnte Deutschland erreichen, wenn die Schulausbildung auf einem Top-Niveau wäre. Wenn Deutschland keine Fachkräfte aus dem Ausland „einkaufen“ muss, sondern deutsche Fachkräfte wieder mehr für das Ausland interessant werden. Aber nicht nur ein paar Köpfe, denn das zeigte die PISA Studie auch, dass die Schere weit auseinander war. nein, in Deutschland musste es möglich werden, dass alle Schulabgänger ein Niveau erreichen, welches von anderen beneidet wird. Aber das wird nicht erreicht, wenn wichtigen Reformen weiter im Wege gestanden wird.  Es tut sich was in Deutschland, aber es ist langsam und träge.

Danke: Wendland, S21 und wikileaks

Donnerstag, Dezember 9th, 2010


Es tut sich was in unserem Lande. Endlich. Wir kommen aus einer Zeit, in der der Klerus entschied und das Volk zu tun hatte. Dann kam eine Zeit, in der die Politik immer öfter Demokratie hieß. Das ist auch gut so. Aber diese Demokratie hat sich immer mehr gewandelt. Ohne Korruption, Bestechung, Erpressung, Sich-gegenseitig-die-Hände waschen geht es nicht mehr. Es geht nicht mehr um Inhalte, sondern um Machtausübung. Es geht um die eigenen Interessen und wie man am besten davon kommt. Das Volk, also wir, werden seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) immer kleiner und unbedeutender. Die Stimme Volk wird unterdrückt. Das letzte Mal, dass sie sich erhob und das erfolgreich, war in Leipzig vorm Mauerfall. Da hat die Bevölkerung den Oberen die Grenzen aufgezeigt. Aber das liegt erstens schon wieder über zwanzig Jahre zurück und zweitens wurde dieser Aufstand im Osten Deutschlands initiiert. Wann so etwas im restlichen Teil Deutschlands mal vor kam, liegt so lange zurück, dass ich gerade nichts parat habe. Warum sollte man sich auch erheben. Es ging doch allen gut und denen, den es nicht gut ging, hat man die Stimme gestohlen. Also war wieder alles gut. So langsam wächst aber ein gesunder Widerstand, das Gehirn wird wieder zum kritischen Denken angeschmissen.

Angefangen haben ein paar Wendländer, die gezeigt haben, wie Widerstand auch sein kann – friedlich. Aber es wurde der Politik, den Entscheidern deutlich gezeigt, was die Meinung des Volkes ist. Es wird nicht mehr nur alles einfach hingenommen. Die Politiker werden nicht mehr vergöttert. Sondern als Menschen angesehen, die auch Fehler machen und vor allem, oft in ihre eigene Tasche denken. Nicht jedes Argument ist wirklich ein Argument. Nicht jede Studie ist wirklich eine Studie. Nicht jede Begründung ist wirklich eine Begründung. Aber so wurde es uns – dem Volk – erklärt. Würden wir den Politikern nicht glauben, würde es uns schlechter gehen. Nur den Politikern ist es zu verdanken, dass es uns so gut geht. Aus dieser Position heraus, folgt man gerne, wenn auch nicht freiwillig. Keiner wollte Schuld sein, dass es dem Nachbar schlechter geht. Also hielt man die Klappe. Das ist nun vorbei, wobei durch das Internet und Web 2.0 auch endlich die Stimme des Volkes wieder hörbar wird. Wen interessiert es bei der Reizüberflutung denn überhaupt noch, wenn einer auf der Straße steht und sagt, wie schlecht es ihm geht? Frauen werden in Fußgängerzonen am Tage vergewaltigt und die Menschen, die dort entlang gingen, können noch nicht mal sagen, wie der Übeltäter aussah! Das sich nicht jeder traut einzugreifen ist verständlich, aber das Gesicht merken, wäre drinnen.

Es gab eine Vielzahl von Mitteilungen, politischen Äußerungen / Begründungen / Regelungen, dass es kein Platz mehr gab für andere Stimmen. Wenn sich ein Demonstrant im Wendland beschwerte, dass er zu grob angefasst wurde, standen Politiker vor der Kamera und behaupteten Dinge wie „maßvoll“, „nicht anders möglich“. Die Medien schrieben nichts anderes, also glaubte jeder dem netten Politiker, der immer so nett in die Kamera schaut. Web 2.0, Handys mit Kamerafunktion, Internet usw. haben dafür gesorgt, dass „Beweise“ für das Volk gesammelt werden konnten. Die Einsätze der Polizei und der Politik konnten aus Sicht des Volkes dokumentiert werden. Und es kam, wie es kommen musste. Wie üblich trat ein Politiker vor die Kamera und  äußerte sich zu den drastischen Polizeieinsätzen, die unabdingbar waren, weil es eine drohende Gewallt seitens der Demonstranten gab. Wer genau hinhörte, hörte dieselben Stimmen, wie zum Beispiel im Wendland. Es wurde behauptet, es wurde mit Steinen geworfen, Pfefferspray soll von den Demonstranten angewandt worden sein. Leider wurde durch Aufnahmen des Volkes bewiesen, dass keine Steine flogen und dass der Pfeffersprayer ein eingeschleuster Polizeibeamter war. Peinlich, peinlich, peinlich. Denkt man, aber Politiker wären nicht Politiker, hätten sie nicht genügend Sätze, die nichts sagen und alles entschärfen. Bis dato hat sich das Volk dadurch beruhigen lassen. Was hätte man auch tun sollen, es gab ja keine Möglichkeit dagegen an zu gehen oder das Gegenteil zu beweisen. Das ist nun geschehen und die Basta-Politik ist vorbei, sagt Heiner Geissler. Aber ob ihm da seine werten Kollegen überhaupt zugehört haben? Immerhin haben seine Politikkollegen hart dafür gearbeitet, dass die Stimme des Volkes beschnitten und somit unhörbar wurde.

Es passt hinein, dass Informationen durch wikileaks nun große Wellen schlagen und dieses erst durch das Internet möglich wurden. Es scheint, als wären die Vorteile der Politik gegenüber dem Volk durch das Internet minimiert. Es scheint, als wäre die Stimme des Volkes lauter geworden. Da die Demokratie in Wirklichkeit keine Demokratie ist, zeigt sich an den Maßnahmen, die ergriffen werden, um das Volk wieder verstummen zu lassen. In Stuttgart wurden Mittel eingesetzt, die unverhältnismäßig waren und ich hoffe, es kommt noch ein Nachspiel und bei wikileaks sieht man deutlich, dass es ein paar Menschen gibt, die alles diktieren. Ich spreche nicht von einer Diktatur, das wäre zu heftig, aber es wird diktiert. Es gibt eine freie Meinungsäußerung, zumindest in einem demokratisch geführtem Land, aber das scheint bei bestimmten Meinungen außer kraft gesetzt zu werden. Wikileaks darf nicht alles sagen. Es werden Banken von den Regierungen angehalten  keine Geschäftsbeziehungen mehr mit wikileaks zu führen. Wo kommen wir denn dahin? Sind wir doch auf dem Wege zu einer Diktatur?

Wie sonst kann auf Mißstände aufmerksam gemacht werden, wenn nicht durch Veröffentlichung? Die Menschen, die sich jetzt aufregen und sagen, aber das hätte man anders regeln können, sollen mir sagen wie. Keine Zeitung hätte auch nur annähernd diese Informationen veröffentlicht – aus Angst vor Eingriffen durch die Politik. Dass diese Angst berechtigt ist, sieht man an den Reaktionen gegenüber wikileaks.

Den paar wenigen Menschen, die an der Macht sind, merken wie ihre Felle davon schwimmen. Ihre Macht wird beschnitten – durch das Volk, trotzdem wehren sie sich dagegen. Ich hoffe, dass die Entwicklung wieder in eine andere Richtung geht, dass das Volk wieder ein bisschen mehr gehör findet. Aber sollten es die Politiker vergessen, wird sie das Internet dran erinnern.

Hochbegabt ohne es zu merken?

Donnerstag, Dezember 2nd, 2010


Durch zwei Leser wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass meine Annahme, es könnte Hochbegabte geben, die davon nichts wüssten oder es nicht mitbekommen hätten, nicht stimmen würde. Nun, dem kann ich entgegnen, dass genau das der Fall bei mir war. Aber gut, ich bin nur eine. Allerdings kenne ich viele Hochbegabte, die durch Zufall (durch ein Psychologiestudium, wo ein IQ-Test als Übung durchgeführt wird; oder an einem TV IQ-Test erstaunlich erfolgreich teilnahmen; usw.) und so von ihrer Hochbegabung erfuhren. Niemals im Leben hätten diese Menschen freiwillig einen Test gemacht, weil sie glaubten, sie wären hochbegabt. Dass dieser Umstand befremdlich wirkt und es für die Beteiligten ja auch ist, ist ja der Grund, warum ich mein Buch über die Hochbegabung schrieb.

Es geht doch darum, was mit einem Menschen passiert, der als Erwachsener erfährt er wäre hochbegabt und hatte vorher keine Ahnung, dass er es sei.

  • Was passiert mit einem Menschen, der dachte, er wäre normal und jetzt erfährt, er ist es nicht?
  • Wie fühlt er sich, wenn er zwar bemerkte, dass er anders war, aber die Schuld bei sich suchte und nun erfährt, die Andersartigkeit kommt von der Hochbegabung? Er könne gar nichts ändern, sondern es ist eine Gabe.
  • Wie geht man damit um, wenn man Jahrzehntelang versuchte sich anzupassen und nicht verstand, warum man trotzdem immer Außenseiter war?
  • Was passiert mit dem Menschen, der feststellt, dass er einem Ideal nachlief, das nicht auf ihn passte?
  • Was passiert mit diesen Menschen, die sich immer anders fühlten und nie wussten warum?
  • Wie fühlen sich Menschen, die nun erfahren, dass sie hochbegabt sind, aber sich nun Vorwürfe machen, weil sie nichts geschafft haben im Leben?
  • Wie fühlt sich ein Mensch, der nun hochbegabt ist, aber noch nicht mal die Schule schaffte?
  • Wie fühlt sich ein Mensch, der hochbegabt ist, aber es nicht schafft mit anderen Menschen zu arbeiten?

Natürlich gibt es Hochbegabte, die unabhängig davon, ob sie es früh wussten oder nicht, glücklich sind. Es gibt Hochbegabte, die haben viel erreicht im Leben, sind erfolgreich, haben Geld und viele Statussymbole. Es gibt auch Hochbegabte, die sind glücklich und sind nicht so erfolgreich. Aber der Unterschied ist, dass diese beiden Typen von Hochbegabten mit ihrer Hochbegabung leben. Sie haben gelernt sich zu arrangieren und leben mit der Hochbegabung. Diese Möglichkeit hatten die Hochbegabten aber nicht, die nichts davon wussten. Es gibt aber auch zwei Gruppen von Hochbegabten, die nicht wissen, dass sie hochbegabt sind. Die, die im Leben trotzdem ihren Platz gefunden haben und ein Umfeld hatten, das sie so akzeptierte, wie sie sind. Und eben die, die nicht so akzeptiert wurden und nun versuchen viele Fragen zu beantworten.

Merkwürdig finde ich, dass von Hochbegabten es kategorisch abgelehnt wird, dass es auch Hochbegabte geben könnte, die nichts von ihrer Hochbegabung wissen. Damit verdrängen sie eine Tatsache und schließen die Augen vor vielleicht hilfesuchenden Hochbegabten. Ich freue mich für alle Hochbegabte, die glücklich und zufrieden leben. Egal, ob sie nun ihre Gabe einsetzen oder nicht. Es geht doch darum mit sich im Reinen zu sein. Aber darf man deshalb die Augen vor anderen Situationen verschließen? Warum helfen diese Hochbegabte nicht denen, die noch ihren Platz suchen? Die ihren Platz bis dato vielleicht noch nie hatten und immer auf der Suche waren? Die jetzt, durch das Ergebnis Hochbegabung endlich mal einen Wegweiser haben, dem sie folgen können? Diesen Hochbegabten kann auf ihrem Weg geholfen werden, in dem die Erfahrungen, die andere Hochbegabte mit ihrer Begabung machten, weiter geben. Aber sich hinzustellen und so zu tun, als gäbe es diese Menschen nicht, nur weil man selber in der glücklichen Situation ist, dieses zu wissen, ist sicherlich der falsche Weg.

Denn Hochbegabte, die erst spät von ihrer Begabung erfahren und vorher keinen Schimmer davon hatten, lebten in einer Gesellschaft, die mit ihnen nichts anfangen konnten. Wie fühlen sich jetzt diese Hochbegabten, wenn sie sogar von Hochbegabten weggeschoben werden mit den Worten, das kann nicht sein?

Mein Buch habe ich geschrieben, damit auch ein Verständnis füreinander wachsen kann. Denn gerade die Normierung, das Gleichmachen, ist in Deutschland weit verbreitet. Wie viel schöner wäre es, wenn die Menschen sich mehr respektieren und die Andersartigkeit nicht verteufeln, sondern akzeptieren? So aber werden Menschen, die vielleicht immer noch auf der Suche sind, sogar von Ihresgleichen abgelehnt.

Loben ja oder nein und wenn ja, wie oft?

Mittwoch, Dezember 1st, 2010



Richtiges Lob ist wichtig, macht doch falsches zu viel kaputt. Aber muss Lob überhaupt sein? Weshalb lobt eine Mutter ihr Kind? Ist Lob nicht nur der Blick auf Leistungen und nicht auf das Kind /den Menschen an sich?

Weshalb loben wir?
Wenn ich jemanden lobe, dann teile ich meinem Gegenüber mit, dass ICH seine Leistung gut finde. Ich werte also eine Tat, gleiche sie mit bestimmten Maßstäben ab und komme dann zum Urteil: Gut gemacht oder schlecht gemacht.

Was bezwecke ich mit dem Lob?
Ganz ehrlich? Es ist meistens eine subtile Manipulation. Ich will meinem Gegenüber mitteilen, dass das was er gemacht hat, gut war, um ihn zu bestärken, es weiterhin zu tun.

Was passiert beim Loben?
Der Gelobte schaut auf sich und vergleicht das Lob mit seinem Empfinden. Wie du Birgit ja schreibst, kann es sein, dass die Werte auseinander gehen. Der Gelobte sieht seine Leistung besser oder schlechter. Aber was passiert, wenn die Schere zu weit auseinander geht? Wenn ein Kind für eine Leistung gelobt wird, die er selbst nicht gut fand? Er ist traurig, weil der Lobende nicht einschätzen kann, was das Kind tatsächlich zu leisten im Stande ist.

Aber wie erfährt ein potenziell Lobender wie der zu Lobende seine Leistung sieht?
Indem er fragt. Wäre nicht vieles so viel einfacher, wenn die Kinder, die Jugendlichen, die zu Lobenden einfach mit einbezogen werden? Ein Kind läuft freudestrahlend auf die Mutter zu und schreit: „Mama, Mama, schau mal, was ich gemacht habe.“ Hält dabei das Papier in die Luft und strahlt über das ganze Gesicht. Würde jetzt gelobt werden „tolle Zeichnung“, „toll gezeichnet“, „das hast du aber hübsch gemacht“ oder auch „die Strichführung ist aber exakt“, kann es sein, dass das Kind etwas ganz anderes erwartet hat. Die Enttäuschung wäre riesig, auch wenn es nicht gezeigt wird, denn vor seinen Liebenden würde man nicht zugeben, dass man enttäuscht ist. Die Enttäuschung sitzt tief drinnen. Warum wird nicht einfach gefragt. Was möchtest du mir zeigen? Was gefällt dir denn so? Oder den Fokus vielleicht gar nicht auf Leistungen legen, sondern auf den Menschen an sich. Warum hast du gemalt? Wieso hast du genau das gemalt? Was ging dir durch den Kopf? Hast du Spaß und Freude dabei gehabt? Damit würde der Fokus weg von der Leistung und Lob und dafür hin zum Menschen führen.

Ist Lob wichtig? Um ein Kind zu motivieren garantiert nicht. Denn Kinder haben eine hohe Eigenmotivation, die kann von außen nur zerstört werden. Ein Kind, das gerne malt, braucht das Lob nicht, um weiter zu malen. Das Kind muss einfach immer das Gefühl haben, geliebt zu werden, egal, was es malt und egal, was es macht. Die Eigenmotivation kann natürlich bei Bedarf gestärkt werden, aber ob das Lob dafür das Richtige ist?

die Eigenmotivation ist intrinsisch und kommt von innen heraus. Diese Eigenmotivation braucht kein Lob von außerhalb. Die Gefahr, dass dieser Mensch (meist Kind) Dinge irgendwann nur noch tun, weil sie ein Lob bekommen ist sehr groß. Ich frage, ob das Lob von außen überhaupt sein muss, wenn doch die Eigenmotivation schon vorhanden ist.

Ein Lob soll stärken, sagst du. Aber eine Persönlichkeit entwickelt sich am besten, wenn es sich mit Herausforderungen messen kann und die durch eine Eigenmotivation gemeistert wurden.

Im Grunde genommen sollten alle Eltern dafür sorgen, dass die natürliche Eigenmotivation der Kinder nicht beeinträchtigt wird. Aber Kinder lernen und haben Spaß auch ohne Lob. Das größte Lob für sie selbst, ist wenn sei eine Herausforderung gemeistert haben.

Ein Lob kann helfen, wenn die Eigenmotivation – aus welchen Gründen auch immer – nicht so vorhanden ist, wie es normal wäre. Dann hilft die Motivation von außen vielleicht den Zugang zu der Eigenmotivation wieder zu finden. Aber gut ist Lob deshalb nicht.

Ein Kind wird gelobt. Das findet es toll, weil viele Kinder Lob mit Liebe gleichsetzen. Also macht das Kind dasselbe noch mal, um wieder „geliebt“ zu werden. Bekommt es beim zweiten Mal diese Liebe nicht, wird es sich mehr anstrengen, um diese Liebe zu erhalten. Und nun tritt ein Muster ein. Das Kind versucht Dinge zu machen, um dieses Lob, diese Liebe zu bekommen. Es macht diese Dinge nicht mehr, um sich selbst zu belohnen, um sich an Herausforderungen zu messen und um sich mit körpereigenen Glückshormonen zu belohnen.

Ich denke, jeder sollte sich hinterfragen, warum er lobt. Eine Umarmung wird dem Kind viel mehr helfen. Dem Kind zu sagen, dass es toll ist, wie es ist. Wird dem Kind auch viel mehr helfen. Diese Dinge sollten häufiger gesagt und getan werden. Das Lob ist nicht so wichtig. Dem Kind zu zeigen, dass es in Ordnung ist, wie es ist. Egal, ob es eine gute oder eine schlechte Leistung war, das ist wichtig.

Und wofür lobt man denn, wenn nicht für Leistungen?

Macht-Worte

Mittwoch, Dezember 1st, 2010


Stuttgart 21. Die Welt ist wieder in Ordnung. Jemand hat mit der Faust auf den Tisch gehauen und „Basta“ gerufen. Menschen dachten, sie hätten Rechte und wären frei und verhielten sich entsprechend. Aber so funktioniert das System nicht. Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit. Wie oft wurde „Basta“ gesagt, wenn Sie zu oft „Warum“ fragten? Half das nicht, dann der Stubenarrest oder die schallende Ohrfeige. Es wurden Zeichen gesetzt und Grenzen aufgezeigt. Oder nehmen wir die Kindergartenzeit. Ein Mittagsschlaf wurde angeordnet und die Einhaltung mit allen Mitteln befolgt. Widerstand wurde mit Sanktionen gebrochen. Und weiter zur Schule. Wer den Lehrer, seinen Unterricht oder das Schulsystem kritisierte, wurde mit einer entsprechenden Notengebung ruhiggestellt. Bei der Arbeit kann sich ein Mitarbeiter seinem Chef auch nicht in den Weg stellen, weil der zum Beispiel den Umweltschutz missachtet oder die angeordneten Überstunden nicht bezahlt. Das hätte zur Folge, dass man diese vom Arbeitsamt erhält. Die Grenzen und Regeln werden vorgegeben. Wer sich fügt, fährt am besten. Das lernen wir in Deutschland von Kindesbeinen an. Umso erstaunlicher das Verhalten einiger weniger in Stuttgart. Das System wurde in Frage gestellt und deshalb musste durchgegriffen werden. Wo kommen wir hin, wenn Menschen auf die Straße gehen und demonstrieren? Zumal sich Teile der Bevölkerung dieses erlaubten, die ins Altersheim oder in die Schule gehören. Die Reaktion war notwendig, um das System zu erhalten. Die Politik verdeutlichte, was legitim ist und manifestierte die Grenzen. Jugendliche haben kein Recht zu demonstrieren, Eltern mit ihren Kindern sollten dies auch nicht tun, und da die Rentner zu rüstig schienen, hat man sie kurzerhand etwas seniler gemacht. Wer regt sich auf, wenn ein Rentner sein Augenlicht verliert? Schüler, die sich widersetzten, hatten verweichlichte Erziehungsberechtigte oder schlechte Lehrer, deshalb mussten sie mit dem gebündelten Wasserstrahl von den Bäumen geschossen werden. Dieser Vorgang war wichtig, verdeutlicht er, wie eine Strafe auszusehen hat. Mit der zunehmenden Jugendkriminalität im Rücken musste durchgegriffen werden. Vorbildlich wurde gezeigt, dass keiner nichts zu sagen hat.

Es herrscht wieder Zucht und Ordnung. Wenn die Politik etwas beschließt, wird es umgesetzt. Basta. Wenn dafür viel Geld notwendig ist, was nicht vorhanden ist, wird es trotzdem ausgegeben. Basta. Wenn jahrzehntealte Bäume gefällt werden, obwohl damit in einer Feinstaubschleuse der Filter fehlt, werden sie natürlich gefällt. Basta. Wenn ein Projekt einigen wenigen hohes Ansehen verleiht, wird alles dafür unternommen. Basta. Wenn sich Banken mit dem Geld der Bevölkerung verspekulieren und der Steuerzahler zahlen muss, ist es halt so. Basta. Dieses Kapital wird anschließend beim Steuerpflichtigen eingespart. Basta. Also warum diese Aufregung? Was wollten diese Menschen zu dieser Zeit in diesem Park? Ich nehme an, dass in Stuttgart und Umgebung die Erziehung nicht funktionierte, sonst wären die Personen ihren Tätigkeiten nachgegangen und diese Demonstration hätte nicht stattgefunden. Die verpasste Prügel der letzten Jahre wurde an einem Nachmittag nachgeholt. Das ist Gerechtigkeit.

In Stuttgart gab es nichts Neues. Seit der Geburt werden wir auf diese Erziehung und diesen Führungsstil vorbereitet, damit wir uns dem System anpassen. Diese Machtausübung, diese Machtworte waren notwendig und es wurde Zeit, es allen noch mal ins Gedächtnis zu rufen. Oder?

Zu dieser Komödie passt der Schlichterspruch von gestern. Das Konzept wird überarbeitet, es wird überprüft … das höre ich schon seit dem das Projekt das erste Mal vorgestellt wurde. Es ist wie immer, die Gegner werden mundtot gemacht. Was soll oder kann man auch noch gegen das Konzept sagen? Es wird alles überprüft. Nur das damit die ganze Zeit alle Gegner hingehalten wurden, das hat keiner gesagt. Wenn dann still und heimlich wieder alles überprüft, für gut befunden und ausgeführt wird, wundern sie sich, dass die Gegner wieder aus ihren Löchern kommen. Den Gegnern wird dann wieder vorgeworfen, sie hätten sich doch die ganze Zeit melden können, aber jetzt … kommen sie aus den Löchern gekrochen. Es ist wie immer und es bleibt wie immer. Wetten, die CDU bekommt bei der Landtagswahl im März 2011 genauso viele Stimmen, wie immer? Hat bis jetzt ja auch wunderbar funktioniert.