Stuttgart 21 – der lange Weg bis heute


Ich habe von diesem Projekt schon 1996 gehört und gelesen. Es gab damals schon Widerstände, weil schon damals klar war, dass das Projekt so einfach nicht durchzusetzen wäre. Die Gefahren beim Tunnelbau, die Kostenexplosion usw. also alles Gründe, die auch heute noch gelten. Damals waren die Einwände für mich so nachvollziehbar, dass ich dachte, nee, der wird nicht gebaut. Entsprechend wurden in anderen Städten mit genau diesen Einwänden diese Bahnprojekte nicht realisiert. Aber schon damals war klar, dass es in Stuttgart nicht um ein normales Projekt ging. Es wurden die Klüngel, die Verbindungen einiger Firmen, die freundschaftlichen Gutachten usw. kritisiert. Im Grunde genommen sind die Firmen, die damals beteiligt waren, sei es Planung, Ausführung, Genehmigung, Gutachten alle miteinander verwoben. Ich wohnte in Baden-Württemberg und bin seit dem etwas weiter weggezogen (Hamburg bzw. jetzt Mecklenburg-Vorpommern). Ich als jetzt Außenstehende bekam keine weiteren Informationen zu diesem Projekt.

Als ich von dem bevorstehenden Bauvorhaben hörte, dachte ich nur, okay, dann haben sie wohl alles aus der Welt geschafft, dass es jetzt doch gebaut wird. Aber je mehr ich lese, um so mehr sehe ich, dass die Einwände von damals noch heute die Gleichen sind. Wie kann das sein? Wie kann die Politik und die Deutsche Bahn (ja eigentlich auch Politik) so gegen die Einwände wehren oder sagen wir – ignorieren?

Trotzdem hielt ich mich ruhig, ich dachte, in der Politik kannst du eh nichts machen. Es ist sinnlos, denn die Politiker machen eh was sie wollen. Wenn sie den Bahnhof bauen wollen, werden sie ihn bauen. Wie bereits alles.

Aber als ich dann sah, wie gegen friedliche Demonstranten vorgegangen wurde, spürte ich, dass die Politiker zu weit gegangen sind. Bei mir und anscheinend auch bei vielen anderen. Denn es ist ein Ruck durch die Menschen gegangen und ich hoffe, dass es so bleibt.

Bei mir war es so, dass ich dachte, dass ich eh nichts ändern könnte. Es geht um „Verbrechen“ und wer das am Besten hinbekommt ist halt an der Macht. Ich kümmerte mich nicht mehr um die Politik. Ich las mir nicht mehr ide aktuellen Themen durch. Ich resignierte. Mein Gedanke, wenn ich desisoliert wegschaue, kann nichts mehr passieren, aber weit gefehlt. Die Politik hat es sich anscheinend sehr bequem gemacht, denn es haben wohl viele nicht mehr hingeschaut. Sie fanden es toll, dass sie machen konnten, was sie wollten. Dafür spricht auch, dass nach spätestens 3 Monaten alles vergessen ist von den Wählern. Aber ich habe durch Stuttgart 21 gesehen, was passieren wird, wenn ich weiterhin den Kopf in den Sand stecke. Es nimmt dramatische Formen an. Stuttgart 21 ist doch nur der Tropfen, der das ganze zum Überlaufen brachte. Vorher war es die Finanzkrise, die Bankenkrise, die Streichungen bei den Ärmsten, den nun-nicht-mehr-Atomausstieg, die offensichtlichen Lügen. Nun kam Stuttgart 21 hinzu und die Machtausübung, die sie sichtlich genossen. Wie man sich sonst hinstellen kann und so viele Lügen über den Fernsehbildschirm äußern kann, ist mir ein Rätsel. Es beginnt mit den steinewerfende Demonstranten, zu Gewalt gegenüber den Polizeibeamten hin zu es wurde kein gebündelter Wasserstrahl verwendet. Es wird gelogen, damit die Bevölkerung ruhig gestellt wird. Gut, dass es viele, viele, ja sogar sehr viele Bilder und Filme gibt, die genau das Gegenteil zeigen.

Die Politik und damit meine ich nicht die CDU in Baden-Württemberg, sondern die gesamte in Deutschland, hat gedacht, dass sie mit uns alles machen kann, weil wir die ganzen Jahre alles mit uns machen ließen. Aber das war ein Fehler, den sie hoffentlich bereuen wird. Aber wenn ich an die 3 Monate Haltbarkeit denke, wird bis zur nächsten Wahl schon wieder alles vorbei sein. Ich hoffe es nicht, denn es geht um uns!

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