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Mein Kind richtig erziehen

Montag, Oktober 6th, 2008


Ich lese das Buch von Alice Miller – Die Revolte des Körpers und habe mich in vielen Punkten wieder erkannt.

Beim Spaziergang mit meiner Hündin überlegte ich, wie ich mein Kind glücklich machen würde. Worauf würde ich bei der Erziehung achten? Wie würde ich meinem Kind meine Liebe zeigen?

Worauf würde ich bei der Erziehung achten:

Ich fange mit diesem Punkt an, weil er für mich am Einfachsten zu beantworten ist. Ich würde darauf achten, dass ich nur ein paar Regeln einführe, die ich aber zu 100% einhalten würde. Ansonsten würde ich meinem Kind viele Freiheiten genehmigen. Diese Erziehungsmethode sage ich seit ca. 20 Jahren und ich fand es richtig, fortschrittlich und für das Kind das Beste. Was mir jetzt beim Lesen des oben genannten Buches einfiel, ist, dass ich in keiner Sekunde an Liebe gedacht habe. Ich dachte nicht, ich werde mein Kind lieben oder ich werde meinem Kind meine Liebe zeigen oder spüren lassen. Nichts! Der Gedanke an Liebe ist für mich sehr fern, klingt wie ein künstliches Gerüst zu dem ich keinen Zugang habe.

Wie würde ich meinem Kind meine Liebe zeigen:

Ich überlegte, okay, ich würde bei meiner Erziehung meinem Kind zeigen, dass ich es liebe. Gut, aber wie? Wie zeige ich meinem Kind, dass ich es liebe? Ich war geschockt, denn mir fiel nichts ein. Wie zeigt man seinem Kind, dass man liebt? Regeln einhalten klingt nicht mehr gut, im Gegenteil, es klingt, als wenn es von einer Außerirdischen gesagt wurde. Was hat Regeln einhalten mit Liebe zu tun?

Ich frage meine Freundin. Sie antwortete spontan: „Na, in dem du es in den Arm nimmst.“ Das klang für mich irgendwie auch falsch. In den Arm nehmen… Wenn ich mein Kind schlage und dann in den Arm nehme, zeige ich, dass ich es liebe? In den Arm nehmen hat für mich ausnehmend negative Assoziationen. In den Arm nehmen heißt für mich: Trösten, klein sein, unbeholfen sein, nicht alleine zurecht kommen, auf Hilfe angewiesen sein,hilfsbedürftig sein, schwach. Das hat für mich nichts mit Liebe zu tun. Habe ich eine falsche Vorstellung von „In den Arm nehmen“ oder ist in den Arm nehmen wirklich kein Zeichen von Liebe? Wie zeige ich dann aber meine Liebe? Ich kann sagen, dass ich dich liebe, aber das sagen Millionen Menschen und lügen sich und den Gegenüber dabei an. Das ist auch kein Argument. Zumal der Sinn ein anderer sein kann. Vielleicht weiß der Sagende nicht, was Liebe ist, dann bekommt der Satz eine ganz andere Bedeutung. Außerdem kann man viel sagen, nicht umsonst sind die Verträge immer schriftlich. Aber was ist denn nun Liebe und wie zeige ich sie?

In den Büchern, die mich faszinieren steht, dass die Kinder traumatisiert wurden, weil sie nicht als das wahrgenommen wurden was sie sind. Es wurde etwas hinein interpretiert oder es sollte mit dem Kind etwas dargestellt werden. Es konnte auch sein, dass die Eltern auch traumatisiert sind und ebenfalls nicht wissen, was Liebe geben überhaupt bedeutet. Dann können es die Kinder auch nicht lernen. Hinzu kommt, dass die Kinder merken, wenn es den Eltern schlecht geht. Sie versuchen den Eltern zu helfen, sie versuchen zu schlichten und sie versuchen die „heile Familie“ herzustellen. Diese Kinder sind aber überfordert mit dieser Aufgabe. Sie können versuchen diese Aufgabe wahrzunehmen, wenn sie ihre eigenen Gefühle, Emotionen, Wünsche und Talente verbergen oder verdrängen, aber sie werden diese Aufgabe niemals erfüllen können. Sie sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sie haben also eine kaputte Familie, die sie nicht retten können. Sie haben ihre Gefühle und Emotionen verdrängt und haben trotzdem eine kaputte Familie. Kinder können die Verantwortung nicht für ihre Eltern übernehmen. Auch nicht als Erwachsene! Sie bürden sich viel zu viel auf. Da sie diese Aufgaben niemals bewältigen können, sind sie in dem Unterfangen eingesperrt, haben keinen Zugang mehr zu sich selber und keine Ressourcen dieses zu erkennen. Solange die Aufgabe – die Eltern zu versorgen – nicht erfüllt ist, ist keine Energie frei für die eigenen Aufgaben. Wenn ich jetzt überlege, was in den Büchern steht, was die Eltern (bewusst oder unbewusst) falsch machen, dann müsste ich darüber doch ermitteln können, was Liebe zeigen sein kann.

Die Kinder wurden nicht wahrgenommen. Ich zeige also meinem Kind, dass ich es liebe, in dem ich es wahrnehme. Super! Das ist ja einfacher als ich dachte. Aber halt, wie nehme ich ein Kind wahr? Indem ich zugucke, wenn es etwas macht? Wenn ich mich seinen Problemen annehme? Wenn ich mich mit ihm beschäftige? Was bedeutet wahrnehmen? Was ist wenn mir mein Kind nicht sagt, was es unternehmen möchte. Wie nehme ich es dann wahr? Gut, das ist wohl der schwierigste Teil. Fange ich mit dem Teil an, dass mir mein Kind sagt, was es machen möchte. Sagen wir das Kind möchte im Sand spielen. Gut, dann lasse ich es im Sand spielen. Und weiter? Was mache ich jetzt? Nehme ich das Kind wahr, in dem ich mich dazu setze? Oder bedränge ich das Kind dann? Soll ich mich abwenden oder entferne ich mich vom Kind? Was nimmt das Kind wahr, wenn ich mich abwende? Was denkt es, wenn ich mich dazu setze? Oder muss ich das spüren? Muss ich spüren, was das Kind denkt? Geht das überhaupt? Wenn das Kind aber negativ fühlt, wenn ich mich abwende, dann stimmt doch mit dem Kind schon etwas nicht. Dann habe ich doch schon was falsch gemacht. Ein selbstbewusstes Kind weiß das es ist. Es weiß, dass es wichtig ist. Warum sollte es also schlecht oder negativ fühlen? Ein selbstbewusstes Kind möchte aber auch nicht, dass ich mich dazu setze. Denn ein selbstbewusstes Kind kann alleine sein, alleine spielen ohne negative Gefühle zu entwickeln. Gut, jetzt weiß ich, was ein selbstbewusstes Kind möchte, aber ein Kind wird nur selbstbewusst, wenn es spürt, dass es geliebt wird – ohne wenn und aber geliebt wird. Somit bin ich wieder bei der Liebe zeigen!

Ein Kind muss spüren, dass es geliebt wird – ohne wenn und aber. Vielleicht komme ich darüber weiter. Ohne Wenn und Aber bedeutet für mich, egal, was es macht, egal, welche Leistungen, egal, welche Äußerungen, egal, welche Wünsche. Gut, das Kind kommt mit einem gemalten Bild zu mir und will wissen, wie ich das Bild finde. Und nun? Sage ich gut oder schlecht – bin ich bei den Leistungen. Sage ich nichts – vernachlässige ich das Kind. Immer lieben ohne wenn und aber. Also sage ich dem Kind, dass ich es liebe, nehme es in den Arm, lache, weil es existiert und freue mich mit dem Kind. Das war jetzt ohne wenn und aber! Nun gucke ich mir das Bild an – und jetzt? Sage ich jetzt was zum Kind? Dann bin ich wieder bei der Leistung. Oder möchte das Kind jetzt gar nicht mehr, dass ich etwas zum Bild sage, weil es spürt, dass ich es liebe? Sagen wir, das Kind möchte trotzdem noch, dass ich etwas sage. Wie kann ich dann etwas zum Bild sagen ohne zu werten ohne die Leistung in den Vordergrund zu rücken? Ich könnte auf den Spaßfaktor eingehen. Gut! Ich frage mein Kind, ob es Spaß beim Malen hatte. Wenn es das bejahte, dann unterstütze ich es weiter zu malen und wenn es keinen Spaß hatte, werde ich fragen, warum es trotzdem gemalt hat. So bin ich auf mein Kind eingegangen ohne zu werten. Das gefällt mir!

Ich werde mein Kind immer nur dann unterstützen, wenn es mir sagt, dass es etwas mit Spaß macht. Ich werde mein Kind nicht bewerten, egal, was es sagt, äußert, fabriziert oder kreiert. Ich werde mein Kind als Mittelpunkt sehen und die Leistungen. So müsste es funktionieren!

Stelle ich mein Kind in den Mittelpunkt habe ich automatisch einen zweiten Punkt berücksichtigt. Die Außenwelt, die Anderen nicht die Gewichtung gegeben, die sie oftmals ungerechtfertigt bekommen. Wenn ich meinem Kind zeigen möchte, dass ich es liebe, dürfen die „Anderen“ keine Rolle spielen. Es muss egal sein, was die sagen. Je mehr ich meinem Kind das Gefühl gebe, dass es selber wichtig ist und nicht die Meinung der „Anderen“, um so mehr fühlt das Kind das es wichtig ist. So kann sich das Kind entwickeln ohne von außen Druck zu bekommen ohne von außen manipuliert zu werden. Bei dieser Erziehung wird das Kind auch nicht in die Bedrängnis kommen sich für seine Eltern verantwortlich zu fühlen, weil auch sie wissen, wo ihr Platz in der Gesellschaft ist.